Johannesburg, Südafrika

Gedenkort für die Opfer von Katyń und den Warschauer Aufstand

 
Erste Initiativen zum Gedenken an die Opfer von Katyń in Südafrika gehen auf das Jahr 1971 zurück, als der dortige »Verband Polnischer Siedler« die Anbringung einer Gedenktafel ankündigte. Es erwies sich jedoch sowohl im öffentlichen Raum als auch in Kirchen und dem Armeemuseum als unmöglich, einen Ort für eine solche Tafel zu finden, da der von den Initiatoren für die Inschrift vorgesehene Text als zu radikal abgelehnt wurde. Erst die Unterstützung des prominenten südafrikanischen Politikers und langjährigen Ministers, Piet Koornhof, brachte den Durchbruch: Das Denkmal wurde genehmigt und befindet sich in einem städtischen Park einer nördlichen Vorstadt von Johannesburg. Die Enthüllung des Denkmals nahmen am 9. Mai 1981 Stefan Soboniewski, Präsident des Weltverbandes der Polnischen Veteranen, und Sława Radaelli, die Tochter eines der in Katyń ermordeten Soldaten, vor. Die Hauptrede hielt Piet Koornhof als Vertreter der südafrikanischen Regierung. Der Zeremonie wohnten außerdem Vertreter der Stadtverwaltung und des südafrikanischen Militärs bei, obwohl die Inschrift der zugehörigen Gedenkplatte aus rotem Granit gegenüber dem Entwurf von 1971 unverändert geblieben war. Nach der Einweihung des umstrittenen Katyń-Denkmals auf dem Londoner Friedhof Gunnersbury und der Entstehung der »Solidarność«-Bewegung in Polen hatten sich die weltpolitischen Koordinaten zugunsten des Gedenkens an Katyń deutlich verschoben. Das Johannesburger Katyń-Denkmal ist das einzige auf dem afrikanischen Kontinent. Es wurde größtenteils aus Spenden der polnischen Diaspora in Südafrika finanziert und besteht aus zwei massiven Stelen aus hellem Beton, zwischen denen die Form eines Kreuzes ausgespart ist. Nach Auskunft des an der Realisierung beteiligten polnischen Architekten Andrzej Romanowicz geht die Form auf eine südafrikanische Vorschrift zurück, die an öffentlichen Orten keine religiösen Symbole gestattet. Indem die Form des Kreuzes als Aussparung sichtbar gemacht wurde, sei die Regelung umgangen worden. Die zunächst nur auf die Opfer von Katyń beschränkte Widmung wurde 1989 durch die Installation zweier zusätzlicher Gedenkplatten erweitert. Diese erinnern auf Polnisch, Englisch und Afrikaans zum einen an die südafrikanischen Piloten, die während des Warschauer Aufstands 1944 von Italien aus riskante Flüge zur Luftunterstützung der Aufständischen unternahmen, zum anderen an die »Helden des Warschauer Aufstandes« und die polnischen Piloten, die den Aufstand mit Flugzeugen der britischen Royal Air Force ebenfalls unterstützt hatten. Während die ursprüngliche Gedenkplatte den gekrönten polnischen Adler zeigt, sind die beiden neu hinzugefügten mit dem Ankersymbol des »Kämpfenden Polen« (Polska Walcząca) beziehungsweise dem Wappen der südafrikanischen Luftwaffe versehen. Zur Erinnerung an die beiden seit 1989 zusätzlich geehrten Gruppen finden an dem Katyń-Denkmal seit seiner Errichtung jährliche Gedenkfeiern statt, sodass die hinzugefügten Widmungen als Adaption an die vorhandenen Memorialbedürfnisse der südafrikanischen Gesellschaft zu verstehen sind.

Inschriften

Gedenkplatte für die Opfer von Katyń
(Gedenkplatte »Katyń 1940«)
Pamięci 14 500 Polskich jeńców wojennych zamordowanych przez oprawców Stalina / Zwłoki 4254 tych jeńców zostały rozpoznane w masowych grobach w Katyniu ZSRR / Sumienie świata woła o świadectwo prawdzie In memory of 14 500 Polish prisoners of war murdered by Stalin’s assassins / Remains of 4254 of these prisoners were identified in mass graves at Katyń USSR / The world conscience calls for justice Ter gedagtenis aan 14 500 poolse krygsgevangenes wat deur Stalin se moordenaars omgebring is / Die oorskot van 4254 van hierdie gevangenes is uitgeken in massagrafte te Katyn Sowjet-Rusland / Die gewete van die mensdom vra om regverdiging
Deutsche Übersetzung:
Überreste von 4254 dieser Gefangenen wurden in Massengräbern in Katyń in der UdSSR aufgefunden. Das Gewissen der Welt ruft nach dem Zeugnis der Wahrheit
Sprache: Polnisch / Englisch / Afrikaans, Schrift: Lateinisch
Gedenkplatte für die Opfer von Katyń
(Gedenkplatte »Warszawa 1. VIII – 2. X. 1944«)
Ku pamięci bohaterów Powstania Warszawskiego / i Polskich lotników, którzy wspierali Armię Krajową In memory of the heroes of the Warsaw Rising / and Polish airmen who supported the Home Army Ter nagedagtenis aan die helde van die warskou opstand / en poolse vlieëniers wat die vegters ondersteun het
Deutsche Übersetzung:
Zum Gedenken an die Helden des Warschauer Aufstandes und an die polnischen Piloten, die die Armia Krajowa [Heimatarmee] unterstützt haben
Sprache: Polnisch / Englisch / Afrikaans, Schrift: Lateinisch
Gedenkplatte für die Warschauer Luftbrücke
(Gedenkplatte »Warszawa 8. VIII–21. IX. 1944«)
Loty zrzutowe nad Warszawą / ku chwale lotnictwa południowoafrykańskiego – wdzięczni Polacy Warsaw airlift / grateful Poles honour the part played by the South African Air Force Warskou lugbrug / dankbare Pole vereer die rol van die Suid-Afrikaanse Lugmag
Deutsche Übersetzung:
Die Warschauer Luftbrücke. Zu Ehren der südafrikanischen Luftwaffe – die dankbaren Polen
Sprache: Polnisch / Englisch / Afrikaans, Schrift:

Ereignisse

9. Mai 1981 - Einweihung
Feierliche Enthüllung des Denkmals

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013