Fürstenwalde, Deutschland
Gedenkkreuz für die verfolgten Russlanddeutschen
Bereits im Mittelalter gab es erste Deutsche, die nach Russland wanderten, um wie etwa im 10. Jahrhundert als Kleriker ihren Glauben zu verbreiten oder im 13. Jahrhundert in den russischen Hansestädten Handel zu treiben. Seit dem 16. Jahrhundert wurden gezielt deutsche Fachleute angeworben. Einen Höhepunkt erlangte die Zuwanderung unter der Zarin Katharina der Großen, die ab dem Jahre 1763 in großer Zahl deutsche Bauern und Handwerker ins Land holte. Vor dem Ersten Weltkrieg lebten etwa 2,4 Millionen Russlanddeutsche im Russischen Reich. Ab 1934 wurden die Angehörigen der deutschen Minderheit in Russland in einer geheimen Aktion erfasst und zunehmend kontrolliert. Damit war es leicht, sie während des Großen Terrors unter Stalin in den 1930er Jahren zu verfolgen und zu verhaften. 1935 wurden die ersten deutschen nationalen Einrichtungen in Russland geschlossen. Mit dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 erfolgten schließlich auf Anordnung des Obersten Sowjet die ersten Deportationen von Russlanddeutschen in „Sondersiedlungen“, wo Hunderttausende von ihnen in Folge der schlechten Lebensbedingungen starben. Allein bis zum 25. Dezember 1942 waren knapp 900 000 Russlanddeutsche deportiert worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges deportierte die sowjetische Besatzungsmacht die während des Krieges nach Deutschland geflüchteten Russlanddeutschen teilweise wieder nach Sibirien oder andere Teile der Sowjetunion. Aus den von den Westalliierten besetzten deutschen Gebieten wurden Russlanddeutsche mit falschen Versprechungen zurück in die Sowjetunion gelockt, mussten dort allerdings wieder in „Sondersiedlungsgebieten“ für Deutsche leben. Am 1. Januar 1949 registrierte die sowjetische Geheimpolizei NKWD insgesamt knapp über eine Million deutsche „Sondersiedler“. Nach dem Tod Stalins 1953 wurde die Rehabilitierung der nationalen Minderheiten in der Sowjetunion eingeleitet. Die Russlanddeutschen kehrten nicht nur in ihre alte Heimat innerhalb der Sowjetunion zurück, sondern kamen ab Mitte der 1950er Jahre auch in die Bundesrepublik Deutschland und teilweise in die DDR.
Im Jahr 2003 lebten in Fürstenwalde etwa 1 000 Russlanddeutsche. Auf ihre Initiative und mit der Hilfe von Spenden konnte am 28. August 2003 auf dem Neuen Friedhof ein Gedenkkreuz zur Erinnerung an die in der Sowjetunion verfolgten Russlanddeutschen errichtet.
Inschriften
Inschrift des Gedenkkreuzes
(auf dem Neuen Friedhof)
Vater unser / im Himmel / dein Name / werde geheiligt / dein Reich komme dein / Wille geschehe, wie im Himmel / so auf Erden. Unser täglich / Brot gib uns heute und / vergib uns unsere Schuld / wie auch wir vergeben unseren / Schuldigern. Und führe uns / nicht in Versuchung, sondern / erlöse uns von / dem Bösen. / Dein ist / das Reich und / die Kraft und / die Herrlichkeit / in Ewigkeit / Amen / Matthäus 6. 9-13 // Dem Andenken der / Russlanddeutschen / von denen über eine / Million in der Sowjetunion / unter dem Stalin-Regime / in Lagern vernichtet / wurden / Fürstenwalde, den 28.8.2003
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
28. August 2003 - Einweihung
Einweihung des Gedenkkreuesz für die verfolgten Russlanddeutschen
Literatur
- Klötzel, Lydia: Die Rußlanddeutschen zwischen Autonomie und Auswanderung. Die Geschicke einer nationalen Minderheit vor dem Hintergrund des wechselhaften deutsch-sowjetischen/russischen Verhältnisses. Münster 1999
- Koziol, Christian: Heimat ist dort, wo die Gräber unserer Vorfahren sind, in: Märkischer Sonntag, Ausgabe Fürstenwalde, 31.8.2003, S. 9
- Eisfeld, Alfred/Herdt, Victor (Hrsg.): Deportation, Sondersiedlung, Arbeitsarmee. Deutsche in der Sowjetunion 1941 bis 1956, Köln 1996 (= Veröffentlichung Göttinger Arbeitskreis, Bd. 453)
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Neuer Friedhof, Friedhofstraße
- Stadt: Fürstenwalde
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland
