Zielona Góra, Polen

Gedenkkreuz für die Opfer von Krieg und Gewalt mit Katyń-Denkmal

 
Nahe dem Haupteingang des kommunalen Friedhofs von Zielona Góra (deutsch: Grünberg) befindet sich ein großes Metallkreuz, das allen »Opfern von Kriegen und Gewalt« gewidmet ist. Um diese Widmung zu konkretisieren, führt die Inschrift unterhalb des Kreuzes fünf Jahreszahlen auf, die auf besonders einschneidende und schmerzhafte Ereignisse in der jüngeren polnischen Geschichte verweisen: 1919 – der erste schlesische Aufstand in der Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Polen um die nationale Zugehörigkeit Oberschlesiens, 1920 – die Schlacht von Warschau, die die Wende im für Polen existenzgefährdenden Polnisch-Sowjetischen Krieg bedeutete (»Wunder an der Weichsel«), 1939 – der Krieg gegen die deutsche und sowjetische Invasion nach dem Hitler-Stalin-Pakt, 1940 – die Ermordung von über 21 000 polnischen Offizieren und Staatsbeamten durch die sowjetische Geheimpolizei, sowie 1944 – der blutig von deutschen Einheiten niedergeschlagene Warschauer Aufstand. Auf der Wiese vor dem großen Kreuz wurden mehr als zehn separate Denkmäler für einzelne Opfergruppen aufgestellt, die in der Regel aus einem oder mehreren großen Findlingen bestehen. Darunter befinden sich außerdem ein Gedenkstein für die Soldaten der nichtkommunistischen Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg, ein Gedenkstein für die nach Sibirien deportierten Polen und seit April 2011 ein Denkmal für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk in Form einer Metallstele, die einer Turbinenschaufel von einem Flugzeugtriebwerk nachempfunden ist. Ein aus fünfzehn großen Findlingen aufgehäufter Gedenkhügel mit ebenso vielen Kreuzen verschiedener Konfessionen erinnert an das »Golgatha des Ostens«, also wiederum an die Deportationen von Polen ins Innere der Sowjetunion. Einzelne Findlinge tragen die Namen von bedeutsamen Orten dieser Zwangsmigration, darunter auch die NKWD-Lager in Starobilsk, Koselsk und Charkiw. Im September 2009 wurde schließlich auch ein von der regionalen »Katyń-Familie« gestiftetes gesondertes Denkmal für die Opfer des Massenmords von Katyń eingeweiht. Dieses besteht aus drei Findlingen, die so arrangiert sind, dass sie an einen aus dem Boden sich erhebenden Adler erinnern. Entsprechend sind die beiden äußeren Steine dezent bearbeitet, welche die Gestalt von Adlerschwingen nachahmen. Der mittlere Stein dagegen trägt die Nachbildung einer Krone und verweist damit auf den gekrönten weißen Adler des polnischen Staatswappens. An den Steinen sind neben der großen Inschrift »KATYŃ« und einer Gedenktafel mit der Widmung zwei weitere Reliefs angebracht. Diese zeigen die »Mutter Gottes von Katyń« sowie eine Komposition aus einem Kreuz, gefesselten Händen und der Rogatywka, der traditionellen polnischen Militärmütze.

Inschriften

Inschrift des Kreuzes
(auf dem kommunalen Friedhof)
Ofiarom Wojen i Przemocy / 1919 1920 1939 1940 1944
Deutsche Übersetzung:
Den Opfern von Kriegen und Gewalt 1919, 1920, 1939, 1940, 1944
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift des Katyń-Gedenksteins
(auf dem kommunalen Friedhof)
Polakom – / bohaterom / zamordowanym / w ZSRR / Rodacy
Deutsche Übersetzung:
Den Polen, den Helden, die in der UdSSR ermordet wurden. Die Landsleute
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

September 2009 - Einweihung
Denkmal für die Opfer des Massenmords von Katyń

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013