Warschau, Polen
Gedenkkapelle für die Opfer von Katyn in der Feldkathedrale der Polnischen Armee
Die Gedenkkapelle für die Opfer von Katyń wurde 2002 auf Betreiben des damaligen Militärbischofs, Sławoj Leszek Głódź, in der Feldkathedrale der Polnischen Armee errichtet und von Konrad Kucza-Kuczyński und Andrzej Miklaszewski gestaltet. Ihre zentralen Elemente sind ein Altar aus weißem Marmor, in dessen Vorderseite eine silberne Urne mit Gebeinen aus den Massengräbern von Katyń, Mednoje und Charkiw eingelassen ist, sowie eine dahinter stehende, vier Meter hohe Tafel aus Carrara-Marmor mit der Aufschrift „Vinctis non victis“ („Den Besiegten, doch nicht Bezwungenen“). In die Marmortafel ist ein Reliquiar eingelassen, hinter dessen Glasscheibe die sogenannte „Mutter Gottes von Katyń” zu sehen ist.
Es handelt sich um ein in eine kleine Holztafel geschnitztes Marienbild, das der im NKWD-Lager Koselsk inhaftierte Oberleutnant Henryk Gorzechowski angefertigt und seinem in demselben Lager internierten Sohn Henryk am 28. Februar 1940 zu dessen 19. Geburtstag geschenkt hat. Auf der Rückseite des Täfelchens sind der Name des Lagers und das Datum eingeschnitzt. Die „Mutter Gottes von Katyń” ist unter mehreren erhaltenen Marienikonen mit Bezug auf Katyń und das NKWD-Lager Koselsk die einzige, die direkt von einem wenige Wochen später in Katyń erschossenen Kriegsgefangenen stammt. Über dem Reliquiar befindet sich eine aus Silber und Bernstein gefertigte Plastik eines auffliegenden gekrönten Adlers, darunter ist ein Relief des „Virtuti Militari“-Ordens angebracht.
In die stählernen Seitenwände der Kapelle sind die Namen von 15.500 Polen eingraviert, die in Katyń, Twer und Charkiw ermordet wurden. Im Oktober 2005 wurden auf Initiative des „Rates zur Bewahrung der Erinnerung an Kampf und Martyrium“ die Namen weiterer 3.435 polnischer Staatsbürger von der sogenannten „Ukrainischen Katyń-Liste“ ergänzt, deren Gräber aller Wahrscheinlichkeit nach in den Jahren 2001 bis 2011 in Bykiwnja bei Kiew gefunden wurden, ohne dass dort eine individuelle Identifizierung möglich gewesen wäre.
Die Kapelle wird durch ein eisernes Gitter, das an einen Birkenwald erinnert, von der Vorhalle abgetrennt. Dort befindet sich eine Plastik von Maksymilian Biskupski, die den Titel „Christus aller Dahingeschiedenen“ trägt. Sie knüpft an die Bilder der Exhumierungen in Katyń an und stellt in realistischer Manier einen an ausgebreiteten Armen über einem Grab aufgehängten Christus dar. An der Basis der Plastik befindet sich eine nachgebildete Eisenbahnschwelle mit der Inschrift „Kozielsk – Katyń“, die auf das von demselben Künstler geschaffene Denkmal für die im Osten Gefallenen und Ermordeten an der Muranowska-Straße verweist.
Am 15. September 2002 wurde die Kapelle in Anwesenheit des polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwaśniewski vom Primas Polens, Kardinal Józef Glemp, geweiht. Am 13. April 2008 wurde sie um eine gläserne Vitrine mit dem Schädel eines der Opfer von Katyń, des Majors Ludwik Szymański, ergänzt. Dieser Schädel weist ein Einschussloch in der Stirn auf und war nach der Exhumierung 1943 von dem dänischen Mitglied der internationalen Expertenkommission Helge Tramsen als Beweisstück in das Rechtsmedizinische Institut Kopenhagen verbracht worden. In den 1960er Jahren war er an Polen zurückgegeben worden.
Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Smolensk im April 2010 wurde in der Vorhalle der Kapelle eine weitere Tafel mit den Namen aller 96 bei diesem Unglück umgekommenen Mitglieder der hochrangigen polnischen Delegation mit Präsident Lech Kaczyński an der Spitze angebracht. Sie wurde von Marek Moderau geschaffen und am 15. August 2010 von Staatspräsident Bronisław Komorowski enthüllt.
Vor dem Eingang der Kathedrale befindet sich auf der linken Seite ein großer schwarzer Anker als Denkmal für die Gefallenen der polnischen Marine. In dieses Denkmal ist ebenfalls eine Gedenktafel für die in Katyń und andernorts ermordeten Marinesoldaten integriert.
Inschriften
Gedenktafel am Denkmal für die gefallenen Marinesoldaten
(neben dem Eingang der Kirche)
Marynarzom / poległym w obronie / biało-czerwonej bandery / Marynarka Wojenna RP/ Są / wniebo- / głosy… / bo są / prze- / milczenia / Cyprian Norwid / W hołdzie / marynarzom / II Rzeczypospolitej / poległym / we Wrześniu 1939 / na Wschodzie / oraz / zamordowanym / przez NKWD / w Katyniu, / Charkowie / i innych miejscach / na nieludzkiej ziemi
Deutsche Übersetzung:
Den Marinesoldaten, die bei der Verteidigung des weiß-roten Banners gefallen sind. Die Kriegsmarine der Republik Polen. Aus Leibeskräften rufen Stimmen, weil etwas verschwiegen wurde. Cyprian Norwid [bedeutender Dichter der polnischen Romantik]. Zu Ehren der Marinesoldaten der II. Republik, die im September 1939 im Osten gefallen sind sowie vom NKWD in Katyń, Charkiw und anderen Orten im unmenschlichen Lande ermordet wurden
Den Marinesoldaten, die bei der Verteidigung des weiß-roten Banners gefallen sind. Die Kriegsmarine der Republik Polen. Aus Leibeskräften rufen Stimmen, weil etwas verschwiegen wurde. Cyprian Norwid [bedeutender Dichter der polnischen Romantik]. Zu Ehren der Marinesoldaten der II. Republik, die im September 1939 im Osten gefallen sind sowie vom NKWD in Katyń, Charkiw und anderen Orten im unmenschlichen Lande ermordet wurden
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Gedenktafel für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk 2010
(in der Gedenkkappelle)
Pamięci / 96 ofiar / katastrofy / pod / Smoleńskiem / 10.04.2010 / Polskiej / delegacji / udającej się / na obchody / 70. rocznicy / Zbrodni / Katyńskiej
Deutsche Übersetzung:
Zum Gedenken an die 96 Opfer der Katastrophe bei Smolensk am 10.4.2010. Der polnischen Delegation, die auf dem Weg war zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Verbrechens von Katyń
Zum Gedenken an die 96 Opfer der Katastrophe bei Smolensk am 10.4.2010. Der polnischen Delegation, die auf dem Weg war zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Verbrechens von Katyń
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Basis der Plastik
(in der Vorhalle)
Kozielsk – Katyń
Deutsche Übersetzung:
Kozielsk – Katyń
Kozielsk – Katyń
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Marmorwand der Kapelle
(auf der Marmorwand)
Vinctis non victis
Deutsche Übersetzung:
Den Besiegten, doch nicht Bezwungenen
Den Besiegten, doch nicht Bezwungenen
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
2002 - Errichtung
Errichtung der Gedenkkappelle
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Feldkathedrale der Polnischen Armee, ul. Długa 13/15 (plac Krasińskich)
- Stadt: Warschau
- Gebiet: Woiwodschaft Masowien
- Land: Polen
