Crivitz, Deutschland
Friedensglocke mit Stele „Friedliche Revolution“
Seit dem 8. August 2020 erinnert eine Gedenktafel an die Ereignisse der Friedlichen Revolution in Crivitz. Sie ist Teil eines Ensembles, bestehend aus einer Friedensglocke mit Pavillon – in dessen Seitenwände der Schriftzug „Frieden“ in verschiedenen Sprachen eingelassen ist – sowie weiteren drei Gedenktafeln, die über das weltweite Friedensglockenprojekt informieren. Als Teil der „Mayors for Peace“-Initiative setzte die Stadt Crivitz mit der Glockenkonstruktion ein Zeichen in Erinnerung an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und errichtete ein Symbol für Frieden, Verständigung und Versöhnung. Die Gedenktafel zur Erinnerung an die Friedliche Revolution greift diesen Gedanken als Vermächtnis auf.
An der feierlichen Einweihungszeremonie des Gedenkensembles nahmen Tilman Jeremias, Bischof der Nordkirche im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Katy Hoffmeister, Justizministerin Mecklenburg-Vorpommerns, sowie Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, teil. Die Idee und Realisierung des Projektes ist maßgeblich der Initiative von Helmuth Schröder zu verdanken.
Gemeinsam mit Pastor Heinrich Rathke sowie Architekt Gerhard Apelt war der Elektrikermeister Helmuth Schröder im Zuge der Friedlichen Revolution daran beteiligt, eine „Ausweichführungsstelle“ der einstigen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Schwerin am „Waldschlösschen“ bei Crivitz zu enttarnen. Als im Januar 1990 im umliegenden Waldgebiet, nahe der B 321, weiterhin vereinzelte Schüsse zu hören waren und Lastentransporter das gesicherte Gelände befuhren, griff die „Politische Bürgerinitiative Crivitz“ ins Geschehen ein. Noch im Herbst 1989 waren Crivitzer Bürger an den Montagsdemonstrationen in Schwerin beteiligt gewesen, hatten Friedensgebete organisiert und sich für gesellschaftspolitische Veränderungen und die Auflösung der Staatssicherheit stark gemacht. Stand nun zur Befürchtung, dass sich hinter dem umzäunten Areal womöglich mehr als ein militärischer Übungsstand der Stasi verbarg; dass an diesem Ort vielleicht sogar Akten vernichtet wurden? Mitglieder der Bürgerinitiative – darunter Helmuth Schröder, Gerhard Apelt und Heinrich Rathke – organisierten ab dem 13. Januar 1990 eine Mahnwache am Eingangstor der Anlage, um weiteres Befahren des Geländes und eine mögliche Vernichtung der Akten zu verhindern. Zeitweise schlossen sich über 500 Crivitzer dem Protestgeschehen an. Drei Tage später gelang es einigen Demonstranten gemeinsam mit einem Militärstaatsanwalt sowie einem Oberst der Nationalen Volksarmee (NVA) das Areal zu betreten. Zu ihrer Überraschung fanden sie eine über 1400 Quadratmeter große atomsichere Bunkeranlage vor, die in den 1970er Jahren unter strengster Geheimhaltung errichtet wurde. Unter Kriegsbedingungen sollte an diesem Ort weiterhin eine „standhafte, ununterbrochene und gedeckte Führung“ durch die MfS- und SED-Elite gewährleistet werden: Eine integrierte Wasseraufbereitungs- und Filteranlage, Notstromaggregate, Tanklager mit 5000 Litern Diesel sowie ein Brunnen- und Schleusensystem sorgten für das Funktionieren der unterirdischen Anlage.
Nach der Begehung des Areals wurde das Gelände an die NVA übergeben. Zuvor war es Mitgliedern der Bürgerinitiative gelungen, den Stasi-Bunker filmisch zu dokumentieren, denn eine öffentliche Besichtigung sollte nicht mehr zugelassen werden. Diese Aufnahmen wurden Ende Januar 1990 im Rahmen eines Bürgerforums im Crivitzer Kulturhaus gezeigt.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel an der Stele
(Bleicherstraße 7a)
1989/ 1990. // Friedliche Revolution in und um Crivitz. // Crivitz war 1989/1990 mit eigenen Versammlungen, Friedensgebeten, / Demonstrationen, Mahnwachen am Stasi-Objekt und der Bildung der / „Politischen Bürgerinitiative Crivitz“ an der Friedlichen Revolution in / der ehemaligen DDR beteiligt. / Besondere Hochachtung hat in dieser Zeit in Crivitz und in / Mecklenburg unser damaliger Pastor und mecklenburgische Altbischof / Dr. Dr. h.c. Heinrich Rathke erworben. // Chronik der Friedlichen Revolution in Crivitz (Auszug): // 16.10.1989 erstes Treffen von Crivitzer Bürger*innen. / 23.10.1989 Teilnahme von Crivitzern an erster Montagsdemo in Schwerin mit eigenem Crivitz-Schild. / 30.10.1989 Bildung der „Politischen Bürgerinitiative Crivitz“. / 09.11.1989 In Berlin fällt die Mauer, die Grenze ist offen. / 21.11.1989 Friedensgebet in der Crivitzer Kirche mit anschl. Demonstration und Ansprache auf dem Marktplatz. / 13.01.1990 Beginn der Mahnwache vor der Stasi-Bunkeranlage „Waldschlösschenweg“ an der B 321. / 16.01.1990 Übergabe der Bunkeranlage an Crivitzer Initiative und weiter an die Nationale Volksarmee. / 31.01.1990 Bürgerforum im Kulturhaus zum Stasi-Bunker / 18.03.1990 Erste freie Wahlen zur Volkskammerwahl der DDR
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
8. August 2020 - Einweihung
Einweihung der Friedensglocke mit Stele „Friedliche Revolution“
Literatur
- Friedensglocke Crivitz mit Stele Friedliche Revolution 1989/1990, hrsg. von Brusch-Gramm, B., Bürgermeisterin der Stadt Crivitz
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Bleicherstraße 7a
- Stadt: Crivitz
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland


