Homburg, Deutschland

Freiheitsbrunnen

 
Seit 1992 erinnert auf dem Rondell an der Eisenbahnstraße ein sogenannter Freiheitsbrunnen an die Rolle Homburgs im Vorfeld des Hambacher Festes im Mai 1832 sowie an die Verwirklichung der deutschen Einheit im Oktober 1990. Die Initiative zur Schaffung des Monuments ging zurück auf den damaligen Oberbürgermeister Reiner Ulmcke. Mit der Gestaltung des Brunnens beauftragte die Stadtverwaltung im Februar 1989 den Bildhauer Bonifatius Stirnberg. In dessen Werkstätte mit integrierter Gießerei konnte auch die Fertigung des Denkmals realisiert werden. Das etwa sechs Meter hohe und ebenso breite Monument besteht aus vier Figurengruppen, die sich thematisch zu einer Einheit zusammenschließen. Im Wasserbecken der Brunnenanlage, auf einer podestförmigen Erhöhung platziert, befindet sich die zentrale Skulpturenanordnung. Während eine Frau mit Kind Beifall klatscht, umklammern drei Männer den Stamm einer Freiheitseiche, unter deren Kronendach eine Fahne in Schwarz-Rot-Gold weht. Die erstmals beim Hambacher Fest als Symbol für die deutsche Republik verwendeten drei Farben wehen auch über der zweiten vielfigürigen Gruppe am Kopfende des Brunnens. Homburger Bürgerinnen und Bürger haben in einem Pferdewagen Platz genommen, um ihre Reise zum Hambacher Schloss anzutreten. Etwas abseits am anderen Ende der Anlage stehen – an einer detailgetreu rekonstruierten Handkniehebelpresse – die Figuren der Journalisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth einander gegenüber. Die beiden für die Ausrichtung des Hambacher Festes wichtigsten historischen Persönlichkeiten haben, wenn auch nicht zeitgleich und nie gemeinsam an der dargestellten Druckerpresse, zeitweilig in Homburg gewirkt. Ihre Anordnung am Rande der Brunnenanlage verkörpert die enge Verbindung von Siebenpfeiffer und Wirth als Verfechter der Presse- und Meinungsfreiheit sowie Anhänger der nationalen Einheit. Mitten in der Gestaltungsphase des Brunnens führten die Ereignisse der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 zum Fall der Berliner Mauer. Diese historische Zäsur, als der Freiheitswille der Menschen in der DDR das SED-Regime zu Fall brachte und den Weg zur Verwirklichung der deutschen Einheit öffnete, bezog Bonifatius Stirnberg kurzerhand in die Gestaltung der Brunnenanlage mit ein. Zu den ursprünglich vorgesehenen drei Skulpturenanordnungen „Setzen des Freiheitsbaumes“, „Von Homburg nach Hambach“ sowie „Siebenpfeiffer und Wirth an der Druckerpresse“ kam zusätzlich die Figurengruppe „Fall der Berliner Mauer“ hinzu. Auf dem Überkletterungsschutz eines Mauerfragments sitzend, halten zwei junge Menschen eine dritte Person an den Beinen fest, während diese die Schwarz-Rot-Goldene Revolutionsfahne mit dem ausgestanzten DDR-Staatswappen in der Luft schwingt. Zwei weitere Figuren meißeln als Mauerspechte ein Loch in den Betonwall, an dem die Losungen „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk“ prangen. Mit seiner plastischen Komposition gelang es dem Bildhauer Stirnberg, mit Bezug auf den Homburger Freiheitsbrunnen eine symbolische Brücke zu schlagen: von den historischen Ereignissen des Hambacher Festes 1832, als Siebenpfeiffer und Wirth demokratische Reformen einforderten, bis hin zu der friedlich erkämpfen Revolution in der DDR und der Wiederherstellung der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990.

Inschriften

Inschrift des Brunnens
Freiheitsbrunnen / Zur Erinnerung an das von Siebenpfeiffer und Wirth / ausgerufene Hambacher Fest 1832 und die Deutsche / Einheit 1990. Gestaltet von Bonifatius Stirnberg / im Auftrag des Stadtrates / Homburg im Oktober 1992 / Reiner Ulmcke Oberbürgermeister
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

1992 - Einweihung
Einweihung des Freiheitsbrunnens
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Eisenbahnstraße 36
  • Stadt: Homburg
  • Gebiet: Saarland
  • Land: Deutschland