Faßberg, Deutschland

Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin

 
Die am 24. Mai 1948 in den westlichen Besatzungszonen und auch in den Westsektoren Berlins durchgeführte Währungsreform nutzte die Sowjetunion als Vorwand, um am 24. Juni 1948 über die drei von den Westalliierten kontrollierten Sektoren Berlins eine Blockade zu verhängen. Alle Personen- und Gütertransportwege von und nach West-Berlin wurden unterbrochen. Um die Krise zu bewältigen und die Versorgung der Bevölkerung in der eingeschlossenen Stadt zu sichern, beschlossen die West-Alliierten, eine Luftbrücke nach West-Berlin einzurichten. Mit Transportflugzeugen, die der Volksmund „Rosinenbomber“ nannte, flogen die Amerikaner und Briten Lebensmittel, Rohstoffe und Waren des täglichen Bedarfs nach West-Berlin ein. Die Luftbrücke war mit einem riesigen organisatorischen Aufwand verbunden. Allein auf dem Rhein-Main-Flughafen mussten an einem Flugtag 820 000 Liter Flugbenzin zur Verfügung gestellt werden. Die Amerikaner flogen ihre Einsätze zunächst nur von den Flughäfen in Wiesbaden und Frankfurt a. M.. Doch mit der zunehmenden Anzahl der Maschinen wurde die Abwicklung nur von diesen Flughäfen immer schwieriger. Zudem wurde angestrebt, die nach Berlin zu fliegende Strecke, die zwischen Frankfurt a. M. und Berlin und zurück 880 Kilometer beträgt, zu verkürzen. Deshalb wurden ab August auch Flughäfen in Faßberg und Lübeck genutzt. Später kamen Hamburg-Fuhlsbüttel, Celle und Schleswigland hinzu. In Faßberg, wo am 29. Juli 1949 die Abschiedsparade der Luftbrücke stattfand, wurde mit etwa 540 000 Tonnen Kohle der höchste Tonnageumschlag verzeichnet. Am 2. März 1990 wurde in Faßberg die Erinnerungsstätte Luftbrücke unter der Schirmherrschaft des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Walter Momper, und mit Unterstützung des damaligen Bundesministers der Verteidigung, Gerhard Stoltenberg, gegründet. Die Erinnerungsstätte gehört zur Bundeswehr. Organisiert und konzeptionell erstellt wurde die Ausstellung und Sammlung von Oberstleutnant Rainer Kruppik. Die Idee zur Gründung der Erinnerungsstätte hatten Kruppik und andere Bundeswehrsoldaten, als zum 40. Jahrestag der Luftbrücke 1989 amerikanische Luftbrückenpiloten nach Faßberg kamen. Die Ausstellung ist in vier Nissenhütten aus der Luftbrückenzeit, den Wellblechhütten mit halbrundem Dach, untergebracht. In ihnen werden neben Sonderausstellungen eine Dauerausstellung mit Originaldokumenten, Gegenständen, Uniformen, Dioramen und Bilder von der Blockade und der Luftbrücke gezeigt. Zwei geschlossene Güterwagen dienen ebenfalls als Ausstellungs- und Informationsräume. Das größte Ausstellungsstück und Highlight der Sammlung ist der FASSBERG-FLYER, ein „Rosinenbomber“ vom Typ DC 3/C 47 aus dem Jahre 1943. 1994 gründete sich ein Förderverein zur Unterstützung des Museums. Er hält auch Kontakte zu noch lebenden Zeitzeugen der Luftbrücke. In einem Archiv werden die gesamte Literatur über die Luftbrücke und Blockade sowie Foto- und Schriftdokumente gesammelt. Auf dem Freigelände sind darüber hinaus noch zwei Segmente der Berliner Mauer und weitere Ausstellungsobjekte zu besichtigen.

Kontakt

Förderverein für die Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin e.V.
Waldweg
29328 Faßberg

Ereignisse

2. März 1990 - Eröffnung
Gründung Erinnerungsstätte Luftbrücke

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016