Düsseldorf, Deutschland

„Dreisegelbrunnen“ – Skulptur zur deutschen Einheit

 
Der Maler, Bildhauer und Grafiker Heinz Mack zählt zu den bekanntesten deutschen Gegenwartskünstlern. Gemeinsam mit Otto Piene gründete er im April 1958 die avantgardistische Kunstgruppe ZERO, die später zu einer breiten, international vernetzten Bewegung anwuchs. Angetrieben von dem Bedürfnis, eine neue, puristische und unbelastete Ästhetik zu etablieren, die sich grundlegend von den traditionellen Kunstströmungen der Vor- und Nachkriegszeit unterschied, wandte sich die Gruppe gänzlich neuen Ausdrucksformen in der Durchdringung von Licht, Bewegung und Raum zu. In experimentellen Werken zwischen Malerei, Performances, Installationen und Happenings versuchten die Künstler um Mack und Piene, dem Zivilisationsbruch des Zweiten Weltkrieges eine idealistischere Weltsicht entgegenzusetzen. Trotz ihrer Auflösung Mitte der 1960er Jahre blieb der Einfluss der ZERO-Bewegung und ihrer Künstler prägend. In einer über 60-jährigen Laufbahn und einem vielseitigen OEuvre setzte Heinz Mack als führender Vertreter der kinetischen Kunst seine mit Licht experimentierenden Arbeiten in zahlreichen Rauminstallationen, Grafiken, Objekten, Skulpturen sowie nicht zuletzt bei der Gestaltung öffentlicher Plätze um. So auch bei der Gestaltung des Platzes der Deutschen Einheit an der Kreuzung zwischen Berliner Allee und Steinstraße in Düsseldorf. Auf dem Gelände vor dem 26-stöckigen Hochhaus der Landeszentralbank realisierte Mack am 3. Mai 1988 – bis zum Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung sollte noch eine ereignisreiche Zeit der Revolution und des Umbruchs vergehen – den sogenannten „Dreisegelbrunnen“. Drei hintereinander gestaffelte, in der Größe variierende Edelstahlscheiben ragen – in Höhe von jeweils neun, sechs und drei Metern – segelförmig aus einem Natursteinsockel in den Himmel empor. Das hintere größte Segel repräsentiert die alte Bundesrepublik, die mittlere Platte symbolisiert die einstige DDR, während die kleinste vordere Edelstahlscheibe stellvertretend für West-Berlin steht. Zwischen den prismatisch geknickten, teilweise matt geschliffenen und teilweise glänzend polierten Platten versprühen – ebenfalls in gestaffelter Anordnung platziert – insgesamt 28 Fontänedüsen Wasserstrahlen. Insbesondere bei Sonneneinstrahlung entstehen auf diese Weise vielschichtige Lichtspiele und -reflexe. Trotz ihres monumentalen Gewichts von rund 70 Tonnen suggeriert die in einem Wasserbassin platzierte Brunnenanlage Leichtigkeit und Fluidität. Die Finanzierung des raumgreifenden Kunstwerks wurde von der Landeszentralbank getragen, welche die Brunnenanlage der Landeshauptstadt Düsseldorf unter der Auflage übereignete, dass die Kommune die Erhaltung und Pflege des Denkmals übernimmt. Seit November 2024 wird der „Dreisegelbrunnen“ etappenweise demontiert, damit ein auf solche Arbeiten spezialisiertes Restaurierungsatelier ihn von witterungsbedingten Kalk- und Sedimentablagerungen sowie weiteren Verunreinigungen befreien kann.

Ereignisse

3. Mai 1988 - Einweihung
Einweihung des „Dreisegelbrunnen“ – Skulptur zur deutschen Einheit