Potsdam, Deutschland

Deutsch-deutsches Museum Villa Schöningen

 
In unmittelbarer Nähe zur Glienicker Brücke befindet sich westlich am Ufer des Jungfernsees die Villa Schöningen. Ihre heutige Gestalt geht auf die Entwürfe des Architekten und Schinkel-Schülers Ludwig Persius aus dem Jahr 1843 zurück. Vom preußische König Friedrich Wilhelm IV. beauftragt, entwarf er für den Hofmarschall Kurd Wolfgang von Schöning die zweigeschossige Turmvilla im italienischen Stil. Diese ersetzte den erst 17 Jahre alten Vorgängerbau. Nach mehrfachem Wechsel des Eigentümers wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg u.a. als Bibliothek genutzt. Von 1945 bis 1950 fungierte das kaum beschädigte Haus als Lazarett der Roten Armee. Anschließend wurden für kurze Zeit untere Etagenräume vom FDGB als Büro genutzt. Im Obergeschoss wurde ein Kinderwochenheim eingerichtet, das nach Auszug der Gewerkschaft auch das Parterre bezog. Nach Errichtung der Mauer 1961 lag die Villa im Grenzsperrgebiet. Kaum 15 Meter von ihrer Ostseite entfernt verlief die Sperranlage. Das Gebäude wurde bis nach dem Mauerfall zum 31. Dezember 1994 weiterhin als Kinderwochenheim genutzt. Nach der Friedlichen Revolution wurde es an die Alteigentümer rückübertragen und von diesen 1997 an einen Berliner Unternehmer veräußert, der es sanieren und weitere Häuser auf das Gelände bauen wollte. Das Bauvorhaben lehnten die Potsdamer Stadtverordneten ab, ebenso den später beantragten Abriss. Bis 2007 blieb die Villa leer und verwahrloste zunehmend. Um sie vor dem Abriss zu bewahren, erwarben sie der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Dr. Mathias Döpfner, und der Vorstandsvorsitzender des Finanzinvestmentunternehmens RHJ-International, Leonhard Fischer, die Villa. Am 8. November 2009 wurde die Villa Schöningen nach denkmalgerechter Restaurierung als „deutsch-deutsches Museum“ eröffnet. In dem Gebäude finden sich eine historische Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen zeitgenössischer Kunst. Im Garten werden im Sommer Skulpturen präsentiert. Die Dauerausstellung thematisiert die Historie des Hauses sowie der Glienicker Brücke hauptsächlich im Zeitraum vom Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989. Seit August 2013 ergänzen die Installation „Das Leben im Todesstreifen“ von Stefan Roloff und der Film „Die Akte Lindenberg – Udo und die DDR“ von Reinhold Beckmann die permanente Ausstellung. Führungen können vorab vereinbart werden.

Kontakt

Villa Schöningen
Berliner Straße 86
14467 Potsdam

Ereignisse

8. November 2009 - Eröffnung
Eröffnung des Deutsch-deutschen Museum Villa Schöningen nach demnkmalgerechter Restaurierung

Literatur

  • Hafner, Katie: Das Haus an der Brücke: die Villa Schöningen in Potsdam und ihre Bewohner, Willhelmshorst 2004.
  • Döpfner, Mathias/Maculan, Lena: Villa Schöningen an der Glienicker Brücke: ein deutsch-deutsches Museum, Berlin 2009.

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016