Berlin, Deutschland

Denkort für die Opfer des Speziallagers Nr. 3

 
Auf dem Friedhof in der Gärtnerstraße haben 259 Gefangene aus dem ehemaligen sowjetischen Speziallager Nr. 3 ihre letzte Ruhe gefunden. Wie viele andere Häftlinge des Lagers, die in den Jahren 1945/46 durch Hunger, Kälte, Krankheit sowie physischen und psychischen Terror ums Leben kamen, waren sie zunächst auf dem umliegenden Brachland verscharrt worden. Durch gezielte Grabungen, die der Berliner Senat aufgrund des Bundesgräbergesetzes unternehmen ließ, fand man in den Jahren 1995 bis 1999 ihre Gebeine. Am 24. Oktober 1995 wurden die sterblichen Überreste von 127 namenlosen Häftlingen bestattet, 1999 die Gebeine von weiteren 132 Menschen. Bei dem am 24. Oktober 1998 eingeweihten Mahnmal handelt es sich um ein Feld von Natursteinen auf einer Rasenfläche, einem Findling mit einer Gedenkplatte und aus einem Labyrinth von Eichenbohlen am Eingang. Im Sinne eines offenen Denkmals kann jeder Besucher Steine niederlegen oder die vorhandenen Steine versetzen. Die Gestaltung des Ortes ist damit nie abgeschlossen. Im Jahr 1999 erklärten sich Schüler eines sonderpädagogischen Förderzentrums bereit, den Gedenkort regelmäßig zu pflegen.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Eingangsbereich an der Bohlenwand)
DenkOrt / Hohenschönhausen / Unweit dieses Ortes / - an der Genslerstraße 66 - befand sich von Mai 1945 bis Oktober 1946 / das sowjetische Speziallager Nr. 3 / des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten (NKWD). // In dieser Zeit waren dort etwa 20 000 Menschen inhaftiert. / Bislang ist nicht bekannt, wie viele von ihnen / an den Folgen der Haftbedingungen, an Krankheit und Hunger starben. // Ihre Zahl wird auf mindestens eintausend bis mehrere Tausend geschätzt. / Die Toten wurden damals in unmittelbarer Nähe des Lagers / an unbezeichneten Stellen vergraben. // Die bei den ersten Suchgrabungen / aufgefundenen Reste der Gebeine von 127 Toten / wurden am 24. Oktober 1995 auf diesem Friedhof bestattet. / Berlin, im Oktober 1998
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenkplatte auf dem Findling
(am Eingang des Friedhofes)
Den Toten / des Speziallagers Nr. 3 / des sowjetischen Geheimdienstes / NKWD / Berlin-Hohenschönhausen 1945–46 / 24.10.1995
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

24. Oktober 1998 - Einweihung
Einweihung des Denkorts für die Opfer des Speziallagers Nr. 3

Literatur

  • Totenbuch. Sowjetisches Speziallager Nr. 3 und Haftarbeitslager Berlin-Hohenschönhausen 1945–1949, hrsg. von der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, zusammengestellt und erläutert von Peter Erler, mit einer Einführung von Hubertus Knabe, Berlin 2014.
  • Erler, Peter/Knabe, Hubertus: Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen, 2. Aufl., Berlin 2005

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016