Teterow, Deutschland
Denkmal „Schwerter zu Pflugscharen“
Anlässlich des ersten Jahrestages des Mauerfalls wurde in der Teterower Peterund-Paul-Kirche im Rahmen einer Friedensandacht am 9. November 1990 ein Denkmal zur Erinnerung an die Friedliche Revolution eingeweiht. Hergestellt wurde das Kunstobjekt in einer örtlichen Schmiede aus Bestandteilen eines Schützenpanzerwagens der Nationalen Volksarmee (NVA), der sich im Teterower Rüstungsbetrieb Reparaturwerk Neubrandenburg befand. Das ins Denkmal eingravierte Bibelzitat „Schwerter zu Pflugscharen“ aus dem Buch Micha des Alten Testaments war in den 1980er Jahren das wohl bekannteste Motto der christlich geprägten Friedensbewegung. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, mit gewaltfreiem Widerstand gegen das DDR-System und die zunehmende Militarisierung zu protestieren.
Seit den 1980er Jahren versammelten sich – wie in vielen anderen Gemeinden der DDR – auch in Teterow jeden November Kirchenmitglieder, um im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade an Gottesdiensten und Gebeten teilzunehmen. Dabei war das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ von Anfang an kennzeichnend für die Zusammenkünfte, die unter dem Motto „Frieden schaffen aus der Kraft der Schwachen“ organisiert wurden. Daran knüpfte am 19. Oktober 1989 das erste Friedensgebet in der Peter-und-Paul-Kirche an, an dem etwa 500 Menschen teilnahmen.
Wie in vielen anderen Städten der DDR waren in den Herbstmonaten 1989 auch in Teterow zahlreiche Menschen auf den Straßen. So beteiligten sich am 27. Oktober etwa 3500 Einwohner an einem Demonstrationszug zum Rathaus, wo mit großer Symbolkraft brennende Kerzen abgestellt wurden. Während am Abend des 9. November in Berlin die Grenzübergänge öffneten, fand in Teterow eine Demonstration zum Gedenken an die Reichspogromnacht statt. Am 10. November beteiligen sich auch in der mecklenburgischen Stadt etwa 1000 Menschen an der Aufforderung
zur Auflösung der Staatssicherheit. Als am ersten Adventssonntag hunderttausende Bürger in der DDR die mit dem Mauerfall angestoßenen Reformen mit einer Menschenkette unterstützten, schlossen sich auch die Anwohner Teterows an. Mit der Lichterkette „Für unser Land“ setzten sie am 3. Dezember 1989 ein Zeichen für Hoffnung und Entschlossenheit. Letztere manifestierte sich am Heiligen Abend mit der symbolischen Vernichtung der Waffen der Kampfgruppen der NVA auf dem Teterower Marktplatz.
Inschriften
Inschrift des Denkmals
(in der Stadtkirche St. Peter und Paul)
Schwerter zu Pflugscharen. // Micha 4,3. // Herbst 89
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
9. November 1990 - Einweihung
Einweihung des Denkmals „Schwerter zu Pflugscharen“
Literatur
- Langer, Kai: „Ihr sollt wissen, daß der Norden nicht schläft ...“. Zur Geschichte der „Wende“ in den drei Nordbezirken der DDR, Bremen: Ed. Temmen, 1999
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Stadtkirche St. Peter und Paul, Kirchplatz 4
- Stadt: Teterow
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland
