Dresden, Deutschland
Denkmal „Schwerter zu Pflugscharen“
Das Bibelzitat „Schwerter zu Pflugscharen“ aus dem Buch Micha des Alten Testaments war in den 1980er Jahren das wohl bekannteste Motto der christlich geprägten Friedensbewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, mit gewaltfreiem Widerstand gegen das DDR-System und die zunehmende Militarisierung zu protestieren. Das Zitat befand sich auf Aufnähern, Lesezeichen etc., die die Kirchengemeinden verteilten. Entworfen hatte das Symbol der damalige Jugendpfarrer Harald Bretschneider. Für seine Verdienste wurde er 2011 von der Evangelischen Kirche mit der Martin-Luther-Medaille und 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Wer in der DDR mit dieser Symbolik unterwegs war, musste mit Repressalien rechnen Viele, die solche Aufnäher trugen, wurden mit Schul-, Universitätsverweisen oder der Entlassung aus dem Betrieb bedroht.
Etwa 5 000 Dresdner waren am 13. Februar 1982 dem Aufruf gegen die zunehmende Militarisierung des zivilen Lebens an den Trümmern der Frauenkirche gefolgt, um damit auch an die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 zu erinnern. Um die befürchteten Zusammenstöße der Demonstranten mit den bewaffneten Sicherheitskräften zu vermeiden, hatte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen an diesem Tag ein „Forum Frieden“ in der Kreuzkirche als Alternative zur illegalen Versammlung angeregt. Die SED-Leitung unter Führung des Dresdner Parteichefs Hans Modrow stimmte dem Vorschlag zu. Während die Staatsmacht sich bemühte, möglichst wenige „Verdächtige“ ins Stadtgebiet zu lassen, versuchten kirchliche Mitarbeiter, die an der Frauenkirche versammelten Menschen in die Kreuzkirche zu leiten. Einige Hundert Demonstranten zogen es vor, an der Ruine zu bleiben. Die überwiegende Mehrheit beteiligte sich aber zunächst am Forum in der Kreuzkirche. Entgegen dem ausdrücklichen Rat der Kirchenleitung zogen viele von ihnen im Anschluss schweigend mit Kerzen zur Frauenkirche. Das offene Diskussionsforum und das schweigende Gedenken wurden in Dresden seither jedes Jahr am 13. Februar erneut begangen, obwohl die SED versuchte, diese Zusammenkünfte zu verbieten.
Das Denk- und Mahnmal „Schwerter zu Pflugscharen – Steine des Anstoßes für eine Bewegung, die das Land veränderte“ erinnert seit Anfang Oktober 2010 vor der Kreuzkirche im Dresdner Stadtzentrum an jene Zeit des Aufbruchs. Es wurde initiiert von ehemaligen Beteiligten der friedlichen Protestbewegung, u. a. von Oberlandeskirchenrat i. R. Harald Bretschneider. Die finanziellen Mittel brachten Jürgen Bönninger und die Renate & Gerhart Baum-Stiftung gemeinsam auf.
Die Skulptur besteht aus zwei sieben Tonnen schweren Granitquadern. Diese bildeten einst das Fundament eines Baldachins über dem Hochzeitsportal der Kreuzkirche, das seit 1982 als Ablageort für Kerzen verwendet wurde. Durch die künstlerische Bearbeitung des Granits konnte es vor der Entsorgung bewahrt werden. In den unteren Stein ist das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ nach einem Entwurf des Dresdner Bildhauers Lothar Beck als Metallguss eingelassen. Darunter ist das Gründungsdatum des Friedensforums, der 13. Februar 1982, zu lesen. Auf der Rückseite des unteren Blockes befindet sich eine Inschrift.
Jedes Jahr wird eine Plakette mit dem Namen „Schwerter zu Pflugscharen“ an einen besonders herausragenden Friedensaktivisten oder eine entsprechende Initiative überreicht. Bisher wurden die evangelische Schule Talitha Kumi in Bait Dschala bei Bethlehem, der Liberianer George Togba und der ungarische Bischof Tamás Fabiny ausgezeichnet.
Inschriften
Inschrift auf dem Denkmal
(an der Kreuzkirche)
Würdig ist es allen Menschen ein Leben in Freiheit zu leben
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift auf der Rückseite des Denkmals
(an der Kreuzkirche)
Schwerter / zu Pflugscharen / Friedens und Protest / Bewegung die das Land veränderte / Tausende Menschen / mit Kerzen / stimmen an / dona nobis pacem
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
Oktober 2010 - Einweihung
Einweihung des Denkmals „Schwerter zu Pflugscharen“
13. Februar 1982 - Historie
Das erste Dresdner Friedensforum findet mit über 5 000 Teilnehmern statt
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: An der Kreuzkirche
- Stadt: Dresden
- Gebiet: Sachsen
- Land: Deutschland





