Wittenberg, Deutschland

Denkmal „Schwerter zu Pflugscharen“

 
Seit dem 5. März 2017 befindet sich im Innenhof des Lutherhauses ein etwa drei Meter hohes Denkmal, welches an die Schmiedeaktion „Schwerter zu Pflugscharen“ im Herbst 1983 erinnert. In eine aus Cortenstahl gefertigte Stele sind 27 scherenschnittartige Negativformen gestanzt. Die auf den ersten Blick dekorativ wirkenden Auslassungen, offenbaren sich bei näherer Betrachtung als Silhouetten von Schmiedewerkzeugen sowie der maßstabsgetreuen Darstellung eines Schwertes. Die „Leerstellen“ sollen außerdem auf ein 1982 von der DDR-Regierung erlassenes Verbot verweisen. Darin untersagte das SED-Regime das öffentliche Tragen oder Verbreiten des Emblems „Schwerter zu Pflugscharen“ der unabhängigen Friedensbewegung. Das Symbol stand im Widerspruch zur offiziellen „Friedenspolitik“ der DDR, die auf militärische Abschreckung statt auf Abrüstung setzte. Dabei ging die gestalterische Interpretation des biblischen Micha-Zitats – ein Schmied formt eine tödliche Waffe zu einem nutzbringenden Werkzeug um – auf eine 1959 erschaffene Bronzeplastik des sowjetischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch zurück. Die Umsetzung des Denkmales „Schwerter zu Pflugscharen“ im Wittenberger Lutherhof stammt vom Künstler Michael Krenz. Sein Entwurf setzte sich bei dem von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und der Kunsthochschule Burg Giebichenstein 2015 ausgelobten Wettbewerb „Ein Zeichen setzen!“ durch. Die Finanzierung des Wettbewerbes sowie die bauliche Realisierung des Denkmales übernahm der Lions Club Wittenberg gemeinsam mit der deutschlandweiten Lions-Gemeinschaft. Im September 1983 fand in Wittenberg – anlässlich des 500. Geburtstages von Martin Luther – ein evangelischer Kirchentag in Anwesenheit vieler Besucher und prominenter Gäste wie des damaligen Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin und späteren Bundespräsidenten, Richard von Weizsäcker, statt. Zahlreiche Fernsehteams und Pressevertreter, darunter auch der WDR-Journalist Peter Wensierski, begleiteten das Ereignis und schufen mediale Aufmerksamkeit. Am Rande der offiziellen Feierlichkeiten lud der Friedenskreis um Friedrich Schorlemmer, Pfarrer der Schlosskirche und Dozent am Wittenberger Predigerseminar, für den 24. September zu einer ungewöhnlichen Aktion ein: Am symbolträchtigen Ausgangsort der Reformation sollte am Abend ein Schwert zu einem Pflugschar umgeschmiedet werden. Gegen 21.30 Uhr versammelten sich etwa 2000 zumeist junge Menschen im Lutherhof der Schlosskirche. Begleitet von Beifall der Anwesenden und einer „Schmiedeliturgie“, welche auf die Gefahren des Wettrüstens aufmerksam machte, zog der Kunstschmied Stefan Nau ein glühendes Schwert aus dem Kohlefeuer, platzierte es auf dem Amboss und schmiedete die Waffe zu einem Werkzeug um. Ein Kamerateam um Peter Wensierski hielt die etwa eineinhalbstündige Aktion für das bundesdeutsche Fernsehen fest. Nicht zuletzt ihrer Präsenz ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Staatssicherheit nicht eingriff, kompromittierende Bilder von einschreitenden Sicherheitskräften sollten unbedingt vermieden werden. So verbreiteten sich die Aufnahmen über die Tagesschau und das politische Magazin „Kontraste“ massenhaft auch in der DDR und transportierten die Botschaft der Friedensbewegung am Meinungsmonopol des SED-Regimes vorbei.

Inschriften

Inschrift der Informationsplakette
(in den Gehsteig eingelassen, am Fuße der Skulptur)
Zur Erinnerung an die Schmiedeaktion vom 24. September 1983: / Friedrich Schorlemmer, viele Wittenberger Bürger udn zahl- / reiche Gäste setzten hier im Lutherhof durch ihr mutiges Eintreten / für Fieden und Demokratie ein Zeichen für Zivilcourage. // "Sie werden ihr Schwerter zu / Pflugscharen machen. Es wird / kein Volk gegen das andere / sein Schwert erheben" (MICHA 4,3) // Entworfen von / Michael Krenz / (Haale/Saale) // Finanziert von Lionsclub Wittenberg mit Unter- / stützung weiterer Clubs, der Stiftung der / Deutschen Lions und Lions Clubs International
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

5. März 2017 - Einweihung
Einweihung der Skulptur für die DDR-Friedensbewegung

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024