Schwerin, Deutschland
Denkmal „Runder Tisch“
Die Plastik aus Metall und Feldsteinen des Lübecker Bildhauers Guillermo Steinbrüggen entstand auf dem 2. Symposium für Metallbildhauer, das 1990 zum ersten Mal gesamtdeutsch ausgerichtet wurde. Die Plastik zeigt eine runde Metallplatte, um die sechs stilisierte Personen angedeutet sind. Sie symbolisieren in ihrer Haltung unterschiedliche Positionen.
Auch in der damaligen Bezirksstadt Schwerin hatte sich im Spätsommer 1989 eine wachsende Protestbewegung gegen die SED-Herrschaft formiert. Bereits am 18. September beantragten Uta Loheit und Martin Klähn beim Rat des Bezirkes die Zulassung des Neuen Forums. Am 23. Oktober fand dessen erste Kundgebung statt, der sich eine Demonstration durch die Innenstadt anschloss. Im Dezember entstanden auf Druck der Oppositionsbewegung und nach polnischem Vorbild überall in der DDR Runde Tische, um die alten Machthaber zu kontrollieren. Mit Hilfe dieser Runden Tische wurde das Machtvakuum überwunden, das durch den Verlust an Vertrauen in die alten Parteien unter Führung der SED und die fehlende Machtbeteiligung der Oppositionsgruppen entstanden war. Der Runde Tisch des Bezirks Schwerin tagte zum ersten Mal am 12. Dezember im katholischen Gemeindezentrum. Er kontrollierte die Verwaltungen und die Auflösung der Staatssicherheit, deckte Amtsmissbrauch und Korruption auf und beschäftigte sich u. a. mit ökologischen Problemen, Fragen des Bildungs- und Gesundheitswesens.
Am Runden Tisch trafen alte und neue Sichtweisen, verschiedene politische Richtungen, fordernde und zögernde Haltungen aufeinander, hier konnte niemand mehr Anweisungen geben, sondern musste mit Argumenten überzeugen. Diesem Symbol der friedlichen Revolution widmete der Künstler Guillermo Steinbrüggen sein Werk. Das Kunstwerk provozierte in Schwerin eine kontroverse Diskussion, die vor allem die Form der künstlerischen Umsetzung des Themas betraf. Für viele war es zu abstrakt, das rostende Metall störte auf dem zentralen Platz der Stadt. Im Sommer 1995 wurde die Plastik abgebaut und musste dem neuen Löwendenkmal weichen.
In der Puschkinstraße, gegenüber dem einstigen Haus der Demokratie, fand das Denkmal einen neuen Platz. Außerdem vollendete der Künstler seine Plastik mit einer Farbgebung. Am 11. August 1995 wurde sie erneut der Öffentlichkeit übergeben.
Ereignisse
11. August 1995 - Eröffnung
Eröffnung des Denkmals "Runder Tisch"
Literatur
- Langer, Kai: „Ihr sollt wissen, daß der Norden nicht schläft ...“. Zur Geschichte der „Wende“ in den drei Nordbezirken der DDR, Bremen: Ed. Temmen, 1999
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Einmündung Großer Moor in die Puschkinstraße
- Stadt: Schwerin
- Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
- Land: Deutschland



