Bydgoszcz, Polen

Denkmal für Kampf und Martyrium des Bydgoszczer Landes mit Katyń-Gedenktafel

 
Das monumentale »Denkmal für Kampf und Martyrium des Bydgoszczer Landes« auf dem Alten Markt im Herzen der historischen Innenstadt von Bydgoszcz (deutsch: Bromberg) hatte bereits eine bewegte Geschichte hinter sich, bevor dort 1993 eine Gedenktafel für die Opfer von Katyń enthüllt wurde – und auch diese ist inzwischen schon wieder Vergangenheit. Es steht somit paradigmatisch für die Rolle des Gedenkens an Katyń im komplexen Kontext der polnischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Das heutige Denkmal wurde 1969 am historischen Ort der öffentlichen Exekution von 40 Polen am 9. und 10. September 1939 errichtet. Die deutschen Besatzer führten diese Hinrichtungen vor der Westfront des Alten Marktes kurz nach der Eroberung der Stadt als Reaktion auf den in der historischen Forschung bis heute kontrovers diskutierten sogenannten »Bromberger Blutsonntag« durch, den von der NS-Propaganda maßlos übertrieben dargestellten Morden polnischer Einwohner Brombergs an in der Stadt ansässigen Deutschen kurz nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen. Zu den umfangreichen antipolnischen Terrormaßnahmen, mit denen die Wehrmacht diese Auseinandersetzungen beantwortete und denen allein in der Stadt Bromberg in den ersten Monaten der deutschen Besatzung bis zu 2000 polnische Einwohner zum Opfer fielen, gehörten auch die Exekutionen auf dem Marktplatz. Die historischen Gebäude an der Westfront des Alten Marktes, darunter die ehemalige Jesuitenkirche, wurden von der deutschen Verwaltung 1940 abgerissen, um Platz für ein neues Rathaus im nationalsozialistischen Stil zu schaffen. Vor diesem historischen Hintergrund wurde 1963 ein Wettbewerb für ein Denkmal auf dem Alten Markt ausgeschrieben, das die Bromberger Opfer der deutschen Besatzung ehren sollte. Anstelle des Siegerentwurfs dieses Wettbewerbs wurde jedoch am 5. September 1969 das bis heute existierende Denkmal des Warschauer Bildhauers Franciszek Masiak enthüllt. Dieses war ursprünglich als Denkmal für das Warschauer Ghetto in der polnischen Hauptstadt vorgesehen gewesen, dessen Realisierung nach der antizionistischen Kampagne, die das kommunistische Regime 1968 durchführte, politisch jedoch nicht mehr opportun war. Es stellt fünf in Abwehrhaltung mit dem Rücken aneinander gelehnte, gleichwohl kämpferisch blickende Männer und Frauen dar und wurde nunmehr in Bromberg auf einem flachen Sockel mit der Inschrift »Zu Ehren der Opfer des Faschismus 1939–1945« aufgestellt. Auf der durch die Kahlschlagpolitik der deutschen Besatzungsverwaltung geschaffenen Freifläche hinter dem Denkmal entstand zusätzlich eine aus 80 großen Sandsteinquadern aufgeschichtete Mauer, in die einzelne Orte des titelgebenden polnischen »Kampfes und Martyriums« in Bromberg und Umgebung eingraviert waren. Diese Mauer war als Provisorium gedacht, das später durch ein Museum des Terrors der deutschen Besatzungszeit ersetzt werden sollte. Entsprechende Planungen wurden jedoch nie umgesetzt. Als es nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft 1989 möglich wurde, neben der polnischen Opfer des Nationalsozialismus auch derjenigen Polen zu gedenken, die dem Stalinismus zum Opfer gefallen waren, wurde die prominente Mauer im Stadtzentrum von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Initiativen genutzt, um vormals aus politischen Gründen im öffentlichen Raum nicht geduldete Gedenktafeln anzubringen. Darunter war auch eine 1993 von der Bromberger »Katyń-Familie« enthüllte Gedenktafel für die Opfer des sowjetischen Massenmordes von Katyń. Im gleichen Jahr wurde der zentralen Skulptur des Gedenkensembles mit Zustimmung des Künstlers ein kleines Kreuz hinzugefügt, welches nun eine der Figuren in der erhobenen Hand hält. Im Zuge der Renovierung des Marktplatzes wurde die provisorische Mauer aus Sandsteinquadern im Jahr 2007 nach 38 Jahren abgerissen – damit hatten auch die in der Phase der politischen Transformation Anfang der 1990er Jahre dort angebrachten Gedenktafeln an diesem Standort ausgedient. Die Mauer wurde neben der katholischen Kirche der Fünf Heiligen Brüder im Bromberger Stadtteil Wyżyny in Form eines Kreises wiedererrichtet. In der Mitte dieses Kreises wurden zwei Gedenkeichen gepflanzt, die an Papst Johannes Paul II. und den langjährigen Primas Polens, Kardinal Stefan Wyszyński, erinnern, sowie ein Gedenkstein mit der vergoldeten Inschrift »2000 Jahre Christentum« aufgestellt. Somit fand sich dieser Teil des Gedenkensembles in einem radikal veränderten diskursiven Kontext wieder, während die eigentlich als Ghetto-Denkmal geschaffene Skulptur für die Bromberger Opfer der deutschen Besatzung auf dem Marktplatz verblieb. In unmittelbarer Nähe der wiedererrichteten Mauer war auf der Grünfläche neben der Kirche bereits seit 1990 ein Gedenkort für Katyń mit individuellen Gedenksteinen entstanden.

Inschriften

Inschrift des Sockels
(an dem Sockel des Denkmals)
W hołdzie ofiarom faszyzmu 1939–1945
Deutsche Übersetzung:
Zu Ehren der Opfer des Faschismus 1939–1945
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

5. September 1969 - Eröffnung
Enthüllung des Denkmals für Kampf und Martyrium des Bydgoszczer Landes mit Katyń-Gedenktafel

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Alter Markt (Stary Rynek)
  • Stadt: Bydgoszcz
  • Gebiet: Woiwodschaft Kujawien-Pommern
  • Land: Polen