Poznań, Polen

Denkmal für die Opfer von Katyń und Sibirien

 
Das Posener Denkmal für die Opfer von Katyń und die während der Deportationen nach Sibirien umgekommenen Polen wurde am 17. September 1999 anlässlich des 60. Jahrestags des Einmarschs der Roten Armee in Ostpolen von dem Wojewoden Großpolens, Maciej Musiał, enthüllt und von Bischof Zdzisław Fortuniak geweiht. Es besteht aus einer fünf Meter hohen und mehr als drei Tonnen schweren Bronzeskulptur des Posener Bildhauers Robert Sobociński sowie einem steinernen Sockel, der der Form eines Grabhügels nachempfunden ist und eine Tafel mit Inschrift, dem polnischen Adler und dem Orden »Virtuti Militari« trägt. Die Vorderseite der Bronzeskulptur lässt an einen Baum denken, dessen Äste von verzerrt dargestellten menschlichen Gestalten gebildet werden. Die expressionistische Gestaltung knüpft an Bilder geöffneter Massengräber an. Die Rückseite wird von einem vertikalen Riss dominiert, der die Assoziation einer menschlichen Wirbelsäule nahelegt. Diese Wirbelsäule ist durch einen horizontalen Schnitt unterbrochen, sodass sich die Form eines Kreuzes ergibt. Auf dieser Seite der Skulptur sind zudem persönliche Gegenstände der Opfer, wie ein Rosenkranz, ein kleines Kreuz, Kochgeschirr und ein Säbel zu erkennen. Die Errichtung des Denkmals geht zurück auf die Initiative der Posener Ortsverbände der »Katyń-Familie« (Rodzina Katyńska) und des »Bundes der ehemaligen Sibirien-Verbannten« (Związek Sibyriaków). Diese hatten sich seit der politischen Wende von 1989/90 um die Errichtung eines Denkmals in der Stadt bemüht. Zunächst war jedoch am heutigen Standort im Garten hinter dem Schloss mit mündlicher Zustimmung des damaligen Stadtpräsidenten nur ein vorläufiger Gedenkstein errichtet worden, dessen Einweihung am 28. April 1990 stattgefunden hatte. Dabei wurde eine Urne mit Erde aus Katyń beigesetzt, und Ludmiła Skotnicka, die Witwe eines in Katyń erschossenen Offiziers, enthüllte eine Tafel, die auf das künftige Denkmal hinwies. Dessen Fertigstellung sollte jedoch noch neun Jahre auf sich warten lassen, da der vorgesehene Standort im Schlossgarten direkt gegenüber dem Nordportal des für den deutschen Kaiser Wilhelm II. erbauten und von Hitler als Symbol deutscher Herrschaft im Osten umgestalteten Schlosses aus stadtplanerischer, denkmalpflegerischer und erinnerungspolitischer Sicht alles andere als unumstritten war. Die Aufstellung des Denkmals zum 60. Jahrestag des Kriegsausbruchs erfolgte schließlich auf öffentlichen Druck gegen den Willen der Stadtverwaltung. Anlässlich des ersten Jahrestags der Flugzeugkatastrophe von Smolensk wurde am 10. April 2011 an der Seite des Sockels eine zusätzliche Gedenktafel enthüllt, die an den polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczyński und die weiteren 95 Opfer des Flugzeugabsturzes erinnert.

Inschriften

Gedenktafel für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk 2011
(Im Garten des Kaiserschlosses)
W hołdzie / Śp. / Prezydentowi RP Lechowi Kaczyńskiemu i jego żonie Marii, / prezydentowi RP Ryszardowi Kaczorowskiemu / i pozostałym Ofiarom katastrofy lotniczej pod Smoleńskiem, / którzy 10 kwietnia 2010 r. w 70 rocznicę katyńskiego ludobójstwa / zdążali, by oddać cześć pomordowanym polskim oficerom. / W rocznicę tragedii / Wielkopolanie / 10. 04. 2011 r.
Deutsche Übersetzung:
Zu Ehren des Präsidenten der Republik Polen, Lech Kaczyński, und seiner Gattin Maria, dem ehemaligen Präsidenten der Republik Polen Ryszard Kaczorowski und den übrigen Opfern der Flugzeugkatastrophe bei Smolensk, die am 10. April 2010, am 70. Jahrestag des Völkermords von Katyń, den ermordeten polnischen Offizieren die Ehre erweisen wollten. Am Jahrestag der Tragödie, die Einwohner Großpolens, 10. 4. 2011
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch
Zentrale Gedenktafel
(Auf dem Sockel)
Odebrano im życie / aby zabić Polskę. / Pamięci oficerów Wojska Polskiego i policjantów pomordowanych w 1940 roku z rozkazu Stalina w Charkowie, Katyniu, Miednoje i innych miejscach kaźni. Polakom zamęczonym w stepach, tajdze i łagrach związku Sowieckiego. / Rodacy
Deutsche Übersetzung:
Ihnen wurde das Leben genommen, um Polen zu töten. Zur Erinnerung an die Offiziere der Polnischen Armee und die Polizisten, die 1940 auf Befehl Stalins in Charkiw, Katyń, Mednoje und anderen Hinrichtungsorten ermordet wurden. Den Polen, die in den Steppen, der Taiga und den Lagern der Sowjetunion zu Tode gequält wurden. Die Landsleute
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

17. September 1999 - Einweihung
Feierliche Einweihung des Denkmals
28. April 1990 - Grundsteinlegung
Aufstellung eines Findlings mit Tafel als vorläufiges Denkmal

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013