Budapest, Ungarn

Denkmal für die Märtyrer von Katyń

 
Zu den jüngsten Denkmälern, die an den Massenmord von Katyń erinnern, zählt das 2011 eingeweihte Denkmal für die Märtyrer von Katyń in Budapest. Den Anstoß zur Errichtung dieses Denkmals gab der Kommunalpolitiker und heutige Oberbürgermeister der ungarischen Hauptstadt, István Tarlós. Wichtigster Unterstützer des Projekts war der langjährige Budapester Oberbürgermeister Gábor Demszky, der seit den 1980er Jahren der antikommunistischen Opposition in Ungarn angehörte und zu jener Zeit die erste illegale Publikation über Katyń auf Ungarisch publiziert hatte. In einem ersten Schritt beschloss der Budapester Stadtrat im März 2008 auf Antrag der konservativen Partei FIDESZ einstimmig die Umbenennung des Standortes des Denkmals in »Park der Märtyrer von Katyń«. An der Wand des an den Park grenzenden Árpád-Gymnasiums wurde eine dreisprachige Gedenktafel aus Plexiglas angebracht, die außer der Inschrift das polnische Staatswappen und den Schriftzug »KATYŃ 1940« auf weiß-rotem Hintergrund zeigt. Anschließend schrieb die Budapester Stadtverwaltung zusammen mit der polnischen Botschaft in Ungarn einen internationalen Kunstwettbewerb für das Denkmal aus, den die beiden Ungarn Géza und Zoltán Széri-Varga mit ihrem Entwurf »Verbrechen im Wald« gewannen. Das Denkmal besteht aus einem vier Meter hohen schwarzen Granitblock, der von einer etwas geneigten Hülle aus rostigem Eisen umgeben ist. Vertikale Öffnungen in der Hülle sollen Baumstämme und Zweige eines Waldes andeuten. Nachts wird das Denkmal von innen beleuchtet, sodass die Lichtstrahlen ein Schattenmuster auf die umgebende Rasenfläche zeichnen. Direkt an dem Denkmal befindet sich keine eigene Inschrift. Es war geplant, das Budapester Katyń-Denkmal am 70. Jahrestag des Verbrechens, im April 2010, einzuweihen. Wegen der Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der der polnische Staatspräsident, Lech Kaczyński, und andere bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von Polen ums Leben kamen, wurde die Einweihung verschoben. Das Denkmal wurde deshalb erst am 8. April 2011 vom ungarischen Staatspräsidenten Pál Schmitt und dem Nachfolger Kaczyńskis, Bronisław Komorowski, eingeweiht. An dem Festakt nahmen auch aus Polen angereiste Vertreter der »Katyń-Familien« sowie die Witwe des in Smolensk ums Leben gekommenen Sekretärs des polnischen »Rates zur Be- wahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium«, Andrzej Prewoźnik, teil. Dabei wurden in der Nähe des Denkmals auch zwei Eichen zum Gedenken an die beiden ungarischen Opfer von Katyń, Emánuel Aladár Korompay und Oskar Rudolf Kühnel, gepflanzt.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(am Árpád-Gymnasium)
1940 tavaszán Katinyban / a Szovjetunió legfelsóbb állami és pártvezetóinek / dóntése alapján az NKVD meggyilkolt / kőzel 22 ezer lengyel hadifoglyot, / a lengyel hadsereg tisztjeit, / rendórőket és polgári személyeket. / a Katinyi mészárlás célja / a lengyel nemzeti elit kiirtása, / és a független lengyel szellem elpusztítása volt. / Katiny, lengyelek ezreinek tragédiája / és hósies halálának szimbóluma / egyuttal az értékek iranti hűség, / a hazugság és a hallgatás ellen / az igazságért folytatott harc jelképe is. / Drámaltanújele a totalitarius rendszerek / baljós természetének. / Az áldozatok tiszteletére és intő jelként / a jővó nemzedékek szamára / a Magyar és a lengyel nemzet / evszázados szolidaritása és barátsága / emlékére állíttatta / Óbuda-Békásmegyer Őnkormányzata / az úr 2008. estendejében.Wiosną 1940 w Katyniu, / na mocy decyzji najwyższych władz państwowych / i partyjnych Związku sowieckiego / NKWD zamordowało prawie 22 tysiące / polskich jeńców wojennych / oficerów Wojska Polskiego, / policjantów i osoby cywilne. /Celem masakry katyńskiej było zniszczenie / elity narodu polskiego i unicestwienie / niepodległego ducha Polaków. / Katyń to symbol / tragedii i bohaterskiej śmierci tysięcy Polaków, / to także symbol wierności wartościom i walki o prawdę, / z zakłamaniem i zmową milczenia. / To dramatyczne świadectwo / złowrogiego oblicza rządów totalitarnych. / W hołdzie ofiarom, / ku przestrodze potomnym. / Na pamiątkę / wielowiekowej solidarności i przyjaźni / narodów węgierskiego i polskiego. / Samorząd dzielnicy Óbuda-Békásmegyer / Roku Pańskiego 2008 In Katyn, in the springtime of 1940 / at the order of the highest leaders / of the soviet Bolshevik Power, the NKVD murdered / almost 22 000 polish prisoners of war, / army officers, policemen, and citizens. / The aim of the Katyn massacre / was the liquidation of the elite of the polish nation / and the destruction of the independent spirit / of the polish people. / Katyn, a symbol of tragedy and the heroic death / of thousands of Poles, / is also a symbol of loyalty to values / and the fight for justice / against lies and forced silence. / It serves as dramatic evidence of the sinister nature / of totalitarian regimes. / We place this memorial in honor of the victims. / as a reminder to history and to commemorate / the centuries-long / solidarity and friendship / of the Hungarian and the Polish Nations. / local Government of Óbuda-Békásmegyer / In the year of the lord, 2008.
Deutsche Übersetzung:
In Katyń ermordete der NKWD im Frühling des Jahres 1940 auf Befehl der obersten Staats- und Parteiführung der Sowjetunion fast 22 000 polnische Kriegsgefangene – Offiziere der Polnischen Armee, Polizisten und Bürger. Ziel des Massakers von Katyń war die Liquidierung der Elite der polnischen Nation und die Zerstörung des unabhängigen Geistes des polnischen Volkes. Katyń, das Symbol für die Tragödie und den heroischen Tod von tausenden Polen, ist auch ein Symbol der Treue zu Werten und des Kampfes für Gerechtigkeit, gegen Lügen und erzwungenes Schweigen. Es dient als dramatischer Beweis für das finstere Antlitz totalitärer Regime. Wir errichten dieses Mahnmal den Opfern zu ehren, den Lebenden zur Mahnung und zum Gedenken an die jahrhundertelange Solidarität und Freundschaft zwischen der ungarischen und der polnischen Nation. Die Bezirksverwaltung von Óbuda-Békásmegyer im Jahr des Herrn 2008.
Sprache: Ungarisch / Polnisch / Englisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

8. April 2011 - Einweihung
Einweihung des Denkmals für die Märtyrer von Katyń

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013