Mittweida, Deutschland
Dauerausstellung im Erich-Loest-Haus
Erich Loest (1926–2013) war einer der wichtigsten Schriftsteller der DDR und ein herausragender Vertreter der realistischen deutschsprachigen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1944 stellte er einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP. Nach Entlassung aus kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft arbeitete Erich Loest zunächst in der Landwirtschaft und als Hilfsarbeiter. Er holte sein Abitur nach und wurde 1947 Mitglied der SED. Von 1947 bis 1950 war er als Journalist für die Leipziger Volkszeitung tätig. Danach studierte er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig.
Wegen angeblicher „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ im Zusammenhang mit Diskussionen über die Entstalinisierung wurde Loest im November 1957 inhaftiert und schließlich zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in der Haftanstalt Bautzen II verbüßte. Erst nach seiner Haftentlassung 1964 war er wieder als Schriftsteller tätig, veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen. 1979 geriet er erneut in Konflikt mit der Staatsmacht, als er sich gemeinsam mit anderen Autoren gegen die Zensur in der DDR auflehnte. Unter dem ständigen Druck der Stasi-Überwachung entschloss sich Loest schließlich, die DDR mit Hilfe eines Dreijahresvisums zu verlassen. Er kehrte nach dessen Ablauf jedoch nicht wieder zurück. Im April 1990, als Erich Loest bereits wieder einen Zweitwohnsitz in der Stadt Leipzig hatte, wurde er vom Obersten Gericht der DDR vollständig rehabilitiert. Seit 1996 ist er Ehrenbürger von Leipzig.
Im April 2011, gut zwei Monate nach Loests 85. Geburtstag, wurde in seinem Elternhaus im sächsischen Mittweida eine Dauerausstellung eröffnet. Auf einer Gesamtfläche von 55 Quadratmetern können sich interessierte Besucher ein Bild vom Leben des wohl bekanntesten Sohns der Stadt machen. Die ausgestellten Exponate stammen größtenteils aus dem Privatbesitz von Erich Loest, der auch einen Teil der Ausstellung finanzierte.
2012 wurde die Dauerausstellung um ein thematisch sortiertes Archiv von Audiodateien ergänzt, die Loest größtenteils selbst eingesprochen hat. Die Ausschnitte stammen u. a. aus seiner Autobiografie „Durch die Erde ein Riss“ sowie aus seinen beiden Romanen „Swallow“ und „Nikolaikirche“. Komplettiert wird die Ausstellung durch eine Videostation, die ein Interview mit dem Mittweidaer Ehrenbürger zeigt, der seine Lebensgeschichte erzählt. Im Alter von 87 Jahren starb Erich Loest am 12. September 2013.
Kontakt
Mittweidaer Stadtmuseum - Dauerausstellung im Erich-Loest-Haus
Am Pfarrberg 12
09648 Mittweida
Ereignisse
April 2011 - Eröffnung
Eröffnung der Dauerausstellung im Erich-Loest-Haus
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Ja
- Standort: Am Pfarrberg 12
- Stadt: Mittweida
- Gebiet: Sachsen
- Land: Deutschland
