Überregional, Deutschland

Das „Grüne Band“

 
Ab 1952 entwickelte sich das DDR-Grenzgebiet seit 1952 zu einer streng bewachten Sperrzone. Besonders nach dem Mauerbau 1961 wurden Teile der dort ansässigen Bevölkerung zwangsausgesiedelt. Die gleichzeitig errichteten militärischen Sicherungsanlagen längs des Todesstreifens machten das Betreten des Gebietes und damit das Überqueren der Grenze unmöglich. Hunderte Menschen kamen bei Fluchtversuchen ums Leben oder wurden inhaftiert. Gleichzeitig entwickelte sich unberührt von menschlichem Einfluss auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenzlinie über Jahrzehnte ein einzigartiges Biotop. Kurz nach Öffnung der Grenze trafen sich am 09. Dezember 1989 mehr als 400 Naturschützer aus Bayern und der DDR in Hof und verlangten in einer einstimmig verabschiedeten Resolution den Schutz des „Grünen Bandes“, der Landschaft des ehemaligen Todesstreifens an der innerdeutschen Grenze. Als erstes gesamtdeutsches Naturschutzprojekt überhaupt sollte das 1 393 Kilometer lange, zwischen 50 und 200 Meter breite und insgesamt 19 420 Hektar umfassende Gebiet als längste Biotopfläche Deutschlands zusammenhängend erhalten werden. Seit 1995, dem europäischen Naturschutzjahr, informiert die Wanderausstellung „Das Grüne Band – Lebenslinie Todesstreifen“ über die Lebensräume an der innerdeutschen Grenze. Mit Luftbildern, Fotos und Texten wird der Biotopverbund auf 14 großen Tafeln und 20 Holzsäulen dargestellt. Die Ausstellung wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und in mehr als 150 Städten gezeigt. In der „geographischen Mitte“ des „Grünen Bandes“ bei Teistungen / Duderstadt im Eichsfeld entstand ein Kunstprojekt zur Erinnerung an die innerdeutsche Grenze. Anka Förster und Robert Schätzle vom Institut für Landschaftsplanung der Universität Hannover gewannen mit ihrer Idee des „West Östlichen Tores“ einen Wettbewerb zur Gestaltung eines Denkmals. Im Juni 2002 wurde unmittelbar auf der alten Grenzlinie auf dem Höhenrücken des Kutschenberges das künstlerisch gestaltete Tor eingeweiht. Das Hauptelement des Tores bilden zwei aufrechtstehende Eichenstämme mit einer Höhe von 12 Metern. Der Abstand zwischen den beiden Stämmen beträgt acht Meter. Eine symbolische „Schwelle“ aus Edelstahl erstreckt sich fast bodenbündig dazwischen, entlang deren Längsachse eine Schweißnaht verläuft. Diese Schwelle soll zum Übertreten einladen. Das Gebiet um das „Grüne Band“ ist heute die längste zusammenhängende Erinnerungsstätte an die Teilung Deutschlands. Zahlreiche Gedenksteine und -tafeln, Museen und Ausstellungen erinnern an die Teilung. Mehr als 100 Erinnerungsorte in der unmittelbaren Umgebung des „Grünen Bandes“ vermitteln einen Eindruck von dem gegenwärtigen zivilgesellschaftlichen Engagement an der einstigen Trennlinie Deutschlands.

Kontakt

Literatur

  • Reidt, Lutz: Blumen auf dem Eisernen Vorhang, in: Berliner Zeitung, 1./2./3.10.2005, S. 18
  • Buchin, Klaus: RadWandern am Grünen Band, Teil 1 und Teil 2, Kiel 1999 und 2002
  • Rüschemeyer, Georg: Der wahrscheinlich längste Grünriegel der Welt, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.8.2005, S. 60f
  • Ullrich, Maren: Geteilte Ansichten. Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze, Berlin 2006

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort:
  • Stadt: Überregional
  • Gebiet: Überregional
  • Land: Deutschland