Speyer, Deutschland

Büste für Helmut Kohl

 
„Seit meiner Kindheit ist der Speyerer Dom für mich die Hauskirche. Meine Eltern sind mit uns oft dorthin gewandert. Als Jugendlicher fuhr ich die Strecke von 20 Kilometern häufig mit dem Fahrrad. […] In seiner architektonischen Schlichtheit ist der Dom zu Speyer für mich ein einmaliges Kunstwerk“, bekundete Altbundeskanzler Helmut Kohl in seinen Memoiren. Seine bis in die frühe Jugend zurückreichende Verbundenheit mit der Universitätsstadt am Rhein-Neckar und der Domkirche St. Maria und St. Stephan im Besonderen – nach der Evakuierung aus dem zerstörten Ludwigshafen 1943 besuchte Kohl hier das Kaiserdomgymnasium und erlebte den Dom als Schutzraum bei Fliegerangriffen – blieb bis zu seinem Tod im Juni 2017 bestehen. Während seiner langjährigen Amtszeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident und späterer Bundeskanzler rückte er das Gotteshaus auf besondere Weise in den Blickpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Persönlich geleitete er im Laufe seiner 16-jährigen Kanzlerschaft nicht nur Papst Johannes Paul II. (1987), sondern auch fast ein Dutzend Staats- und Regierungschefs durch die Domanlage. Darunter den Staats- und Parteichef der Sowjetunion Michail Gorbatschow (1990), den US-Präsidenten George Bush sen. (1990), den letzten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei und ersten Präsidenten der Tschechischen Republik Vaclav Havel (1993), den Präsidenten der Russischen Föderation Boris Jelzin (1994) ebenso wie die englischen Premierminister Margaret Thatcher (1989) und John Major (1995). Bei der Gründung des Dombauvereins im Jahr 1996 wirkte Helmut Kohl ebenso mit wie an der Initiierung der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, die im Juli 1999 realisiert wurde und deren Kuratoriumsvorsitzender er war. Auch seine Verabschiedung aus dem Amt des Bundeskanzlers fand mit dem großen Zapfenstreich am 17. Oktober 1998 auf dem Festplatz unterhalb des Doms statt. Zum Ende seines Lebens verfügte Helmut Kohl die Stadt zu seiner Begräbnisstätte. Nach einem feierlichen Requiem im Dom – auch die Trauerfeier für seine erste Ehefrau Hannelore Kohl fand 2001 nach katholischem Ritus an diesem Ort statt – wurde der Altbundeskanzler am 1. Juli 2017 auf dem Domkapitelfriedhof im Adenauerpark nahe der Friedenskirche St. Bernhard beigesetzt. Als „Symbol für Friede und Aussöhnung“ gemeinsam von Franzosen und Deutschen errichtet – die Grundsteinlegung erfolgte 1953 im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer und des einstigen französischen Ministerpräsidenten Robert Schuman –, ist die Friedenskirche in besonderer Weise mit Kohls lebenslangen Bemühungen um Ausbau und Stärkung der deutsch-französischen Verständigung verbunden. Seit dem 3. April 2022, dem Geburtstag Helmut Kohls, ehrt ein Denkmal auf der Südseite des Doms den „Kanzler der Einheit“ und „Ehrenbürger Europas“. Die Initiative zur Errichtung eines Erinnerungszeichens stammte von der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, die damit auch Kohls Verdienste als Gründungsvorsitzender ihres Kuratoriums würdigt. Ermöglicht wurde die Schaffung der vom Bildhauer Wolf Spitzer detailreich gestalteten Bronzebüste durch eine Spende des Ehepaares Willi und Susanne Kuhn aus Jockgrim. Die teilweise kolorierte Büste ruht auf einem Sockel aus rotem Pfälzer Sandstein, der als eines der wichtigsten Baumaterialien des Doms eine symbolische Verbindung zur Kathedralkirche herstellt. Die Situierung des insgesamt 1,75 Meter hohen Denkmals bewirkt, dass das Antlitz des Altbundeskanzlers dem Betrachter auf Augenhöhe entgegenblickt. Mit der Gestaltung der Porträtbüste versuchte der Bildhauer Wolf Spitzer, sich den physiognomischen Charakteristiken und der Persönlichkeit Helmut Kohls zu nähern. An der Fertigung des Kunstwerks waren die Gipsformerei Forster aus Baldheim, die Kunstgießerei Otto Strehle aus Winhöring in Bayern, die Münchner Graviertechnik Franz Müller und die in Speyer ansässige Steinbildhauerei Rehberger beteiligt. Enthüllt wurde die Bronzeplastik in Anwesenheit zahlreicher Gäste, darunter der Stifter Willi Kuhn und Jutta Spitzer, die Ehefrau des Bildhauers. Bereits zu seinen Lebzeiten würdigte das Domkapitel Helmut Kohls Verdienste um die romanische Kathedralkirche mit einer in der Domvorhalle eingelassenen Gedenkplatte.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(in den Boden eingelassen)
In Würdigung der Verdienste / von Bundeskanzler / Dr. Helmut Kohl / um den Dom zu Speyer / als Sinnbild für die christlichen / Wurzeln eines geeinten Europas / In Dankbarkeit das Domkapitel.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Büste
(entlang des Sockels)
Ehrenbürger Europas / Kanzler der Einheit
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

3. April 2022 - Einweihung
Einweihung der Büste für Helmut Kohl
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: im Domgarten
  • Stadt: Speyer
  • Gebiet: Rheinland-Pfalz
  • Land: Deutschland