Vacha, Deutschland

Brücke der Einheit

 
Die 225 Meter lange mittelalterliche Steinbogenbrücke überspannt die Werra und verbindet die Stadt Vacha auf thüringischer Seite mit der Marktgemeinde Philippsthal auf hessischer Seite. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen wurde die an dieser Stelle verlaufende Grenze zwischen Thüringen und Hessen zur Demarkationslinie zwischen der SBZ und der amerikanischen Besatzungszone, später – nach Gründung der beiden deutschen Staaten – 1949 zur „Staatsgrenze“ zwischen der DDR und der BRD. Als Reaktion auf den wachsenden Flüchtlingsstrom aus der SBZ/DDR verschärfte das SED-Regime die Grenzsicherungsmaßnahmen und beschloss am 26. Mai 1952 die Abriegelung der Grenze. Auf DDR-Seite wurde ein fünf Kilometer breiter Sperrbezirk eingerichtet. Nach dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 folgte der Ausbau der Grenzanlagen. Von der thüringischen Stadt Vacha aus wurde 1962 entlang der Werra – erstmals außerhalb Berlins – eine Mauer aus Fertigbetonteilen errichtet. Da die innerdeutsche Grenze unmittelbar an der Brücke verlief, war diese über Jahrzehnte für die Öffentlichkeit gesperrt. Mit der Verschärfung des Grenzregimes in den 1970er Jahren ließen die DDR-Behörden die Brückenbögen vergittern, auf der westseitigen Brüstung einen Streckmetallzaun errichten und einen sieben Meter hohen Beobachtungsturm mitten auf der Brücke installieren. Auch die Werra selbst sollte unpassierbar gemacht werden. Entlang der gesamten Breite des Gewässers machten Flusssperranlagen Fluchten nahezu unmöglich. Erst in den Morgenstunden des 12. November 1989 öffnete sich am Nordende der Brücke in Vacha die Grenze. Am Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 erhielt die Werrabrücke den symbolträchtigen Namen „Brücke der Einheit“. Wenige Jahre später erfolgten umfangreiche Instandsetzungsarbeiten. Anlässlich des 25. Jahrestags der Wiedervereinigung wurde als Zeichen der Einheit die von dem Künstler Ottmar Hörl geschaffene Skulptur „Einheitsmann“ am Zugang zur Brücke aufgestellt. Bereits in den 1990er Jahren konzipierte der Rhönclubzweigverein Vacha in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Heimat- und Geschichtsverein einen „Gedächtnisweg“. Mit Unterstützung der Stadt sowie des Landkreises im September 1996 offiziell eingeweiht, führt der rund 14 Kilometer lange Rundweg zu Stätten der deutschen Teilung. Elf Stationen mit Informationstafeln kennzeichnen historische Orte wie das Haus Hoßfeld, durch dessen Mitte die Staatsgrenze zwischen DDR und BRD verlief, oder den einstigen Hof Mosebach, der im Zuge der Verschärfung des Grenzregimes geschleift wurde. Einen Einblick in das Leben der Grenzregion zur Zeit der innerdeutschen Teilung vermittelt außerdem das im Sommer 2015 eröffnete Mahnmal „Grenzturm Vacha“. Die einstige Führungsstelle mit Beobachtungskanzel befindet sich entlang des „Gedächtnisweges“ und dokumentiert mit Hinweistafeln sowie begleiteten Führungen die Geschichte des Ortes. Am 21. Juni 2024 eröffnete an der Brücke der Einheit ein neuer Grenzgedächtnispark. Ermöglicht wurde das Projekt durch Fördermittel des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz sowie die Unterstützung der K+S Minerals and Agriculture GmbH. Unter dem Motto „Geschichte erlebbar machen“ wurden die Brückenköpfe neu gestaltet und am Brückenaufgang Mitallgitterstäbe angebracht, die einen Eindruck von der ehemaligen Grenzmauer vermitteln sollen. Diverse Informationstafeln bringen zudem die Grenz- und Stadtgeschichte näher.

Inschriften

Inschrift der Bodentafel
(an der Brücke der Einheit)
Brücke / der / Einheit / 3. Okt. 1990
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Informationstafel
(an der Skulptur „Einheitsmann“)
Der „Einheitsmann“ / Das Kunstprojekt „Einheitsmann wurde im / Rahmen der Feierlichkeiten / „25. Jahre Deutsche Einheit“ von dem Künstler / Ottmar Hörl entworfen, der sich nach 25 Jahren / Deutsche Einheit vom Berliner Ampelmännchen / inspirieren ließ und das Markenzeichen der / Fußgängerampeln aus dem Osten Berlins / neu interpretierte. / Der hier aufgestellte „Einheitsmann“ wurde / von der Hessischen Staatskanzlei der Stadt / Vacha sowie der Marktgemeinde Philippsthal / zur Verfügung gestellt. / Er setzt ein Zeichen zur Erinnerung an die / deutsche Wiedervereinigung. / Weitere Stadtorte des Einheitsmännchens / sind unter anderem Frankfurt und Berlin, / das Erlebniswerk Merkers, Kassel. / Gefertigt wurde der Einheitsmann von der / Firma Christian Hofmann GmbH & Co. KG / aus Bad Rodach. Es besteht aus / glasfaserverstärktem Polyester.
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

21. Juni 2024 - Eröffnung
Eröffnung des Grenzgedächtnisparks
3. Oktober 2015 - Einweihung
Einweihung der Skulptur „Einheitsmann“
3. Oktober 1990 - Einweihung
Werrabrücke erhält der Namen "Brücke der Einheit"
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Waidenhain 8
  • Stadt: Vacha
  • Gebiet: Thüringen
  • Land: Deutschland