Berlin, Deutschland

Bronzeskulptur „Perspektiven“

 
Die Freie Universität Berlin entstand am 4. Dezember 1948 während der Berlin-Blockade auf dem Campus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Ihre Gründung ging aus einem Protest engagierter Studenten und Professoren gegen die politische Uniformierung der zur Humboldt-Universität umbenannten Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität hervor. Unterstützung erfuhren die Studierenden von Berliner Politikern und der amerikanischen Besatzungsmacht. Hunderte Erststudenten, die für Demokratie und eine freiheitliche Universität eintraten, wurden daraufhin von der sowjetischen Geheimpolizei verfolgt. Zehn Studenten des Gründungsjahrgangs der Freien Universität Berlin bezahlten diesen Einsatz zwischen 1951 und 1953 mit ihrem Leben: Aegidius Niemz, Günter Beggerow, Karl-Heinz Wille, Werner Schneider, Friedrich Prautsch, Fritz Flatow, Kurt Helmar Neuhaus, Peter Püschel, Günter Malkowski und Wolf Utecht. Sie waren wegen angeblicher Spionage verhaftet worden. Weder Angehörige noch Universitätsleitung wurden über den Verbleib der Verschleppten benachrichtigt. Noch in den 1950er Jahren bemühte sich das Direktorat der Deutschen Hochschule für Politik, die 1959 als Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft in die Freie Universität eingegliedert wurde, um Informationen über die verhafteten Studenten. Erst 50 Jahre später konnte das Schicksal der Studenten aufgeklärt werden. Den Recherchen zufolge wurden die Studierenden per Zug nach Moskau transportiert und in das beim Weißrussischen Bahnhof gelegene Gefängnis Butyrka überstellt, wo sie von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zum Tode verurteilt wurden. Die Asche der Hingerichteten wurde namenlos auf dem Donskoje-Friedhof in Moskau verscharrt. Am 6. September 2007 wurde das von dem Berliner Bildhauer Volker Bartsch entworfene und dem privaten Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie gestiftete Denkmal eingeweiht. Ein fiktiver Raum wird durch drei kraftvolle Bronzestelen sowie ein horizontal schwebendes Element eingefasst und öffnet sich nach oben in eine weitere Ebene. Die Skulptur wurde vor dem Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin vom Universitätspräsidenten Dieter Lenzen enthüllt. Die Einweihungszeremonie fand im Beisein von Bundes- und Landespolitikern, von Vertretern des diplomatischen Korps, Künstlern und Wissenschaftlern, Mitgliedern und Freunden der Freien Universität Berlin sowie Hinterbliebenen statt. Eine Bronzetafel, die Volker Bartsch der Freien Universität geschenkt hat, trägt eine Inschrift.

Inschriften

Inschrift der Informationstafel an der Skulptur
(gegenüber dem Henry-Ford-Bau, Garrystraße)
Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit / Das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut / Perikles, 431/30 v. Chr. // Zur Erinnerung an die Studenten der Freien Universität Berlin / und der Deutschen Hochschule für Politik, / die für die Freiheit ihr Leben verloren haben // PERSPEKTIVEN / Bronzeskulptur von Volker Bartsch / 2007 // Diese Skulptur ist ein geschenk des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. / an die Freie Universität Berlin
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

6. September 2007 - Einweihung
Einweihung der Bronzeskulptur „Perspektiven“

Literatur

  • „Erschossen in Moskau …“. Totenbuch für die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Friedhof Donskoje 1950–1953. Hrsg. von Facts & Files (Berlin), Memorial (Moskau) und der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin), Berlin 2005

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Nein
  • Standort: Garystraße
  • Stadt: Berlin
  • Ortsteil: Steglitz-Zehlendorf
  • Gebiet: Berlin
  • Land: Deutschland