Schirnding, Deutschland
Bayerisches Grenzmuseum Schirnding - Bavorské pohraniční muzeum Schirnding
Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen dem heutigen Tschechien und dem deutschen Fichtelgebirge, war Schirnding Durchgangsstadt für Tausende Flüchtlinge und Vertriebene im Verlauf der zwei Weltkriege.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lagen die Grenz- und Passkontrollen bei Schirnding vollständig in US-amerikanischer Hand. Erst ab Mitte 1948 übernahm die bayerische Grenzpolizei die uneingeschränkte Kontrolle des Personenverkehrs.
Im Zuge der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Februar 1948 begann ein Rückgang des Reiseverkehrs durch den Bahnhof Schirnding, der bis 1950 nahezu vollständig eingestellt wurde. Die Zahl der illegalen Grenzübertritte von Heimatvertriebenen aus der Tschechoslowakei stieg währenddessen kontinuierlich an. Das kommunistische Regime reagierte darauf mit einer Verschärfung der Grenzsicherungsmaßnahmen. Am 15. März 1949 sperrten tschechoslowakische Behörden den Grenzübergang Schirnding – Pomezi (Mühlbach) vollständig ab. Im Frühjahr 1950 wurden in unmittelbarer Grenznähe einzelne Gehöfte und sogar ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, um „Platz“ für eine militarisierte Grenzzone zu schaffen.
Ab 1954 stieg der Reiseverkehr am Grenzübergang wieder allmählich an. Durch die Liberalisierung im Bahnreiseverkehr nutzten Spätheimkehrer, aber auch Sport- und Kulturvereine, die Möglichkeit über Schirnding in die Bundesrepublik einzureisen. Der Straßenübergang wurde dagegen bis zu seiner Wiedereröffnung am 15. September 1956 ausschließlich für die Abschiebung unerwünschter Personen genutzt. Bis 1963 passierten jährlich ca. 68 000 Reisende die zwei Schirndinger Übergänge.
Nach der gewaltsamen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ im August 1968 waren die folgenden 20 Jahre von starker sowjetischer Einflussnahme geprägt. Während der Reiseverkehr aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik radikal eingeschränkt wurde, durften Touristen aus dem Westen weiterhin einreisen.
Im November 1989 rückte Schirnding in den Blickpunkt medialer Aufmerksamkeit: Die ersten DDR-Flüchtlinge, die in der Prager Botschaft ihre direkte Ausreise in die Bundesrepublik erstritten hatten, trafen am Abend des 4. November 1989 in dem Grenzort ein. Die mit der offiziellen Verkündung der Ausreiseerlaubnis einsetzende Massenflucht dauerte neun Tage. Insgesamt gelangten 76 000 Menschen über Schirnding in die Bundesrepublik.
Zur Erinnerung an die bewegte Geschichte des Grenzgebietes eröffnete am 16. November 2007 das Bayerische Grenzmuseum Schirnding. Träger des Museums ist der Förderverein Grenzmuseum Pohraniční Muzeum Schirnding e.V. Gezeigt werden unter anderem Ausstellungsstücke aus den ehemaligen Grenzzollämtern und der Polizei sowie Grenzsperranlagen, die dank des damaligen Leiters des Binnenzollamtes, Rainer Schweigert, zusammengetragen werden konnten. Maßgeblich beteiligt am Sammeln und Aufarbeiten der Exponate waren zudem Gabriele Schlör, Joachim Baschwitz und der Museumsleiter sowie 1. Vorsitzender des Fördervereins, Wolfgang Brauner. Im Mai 2012 erfolgte die Umbenennung des „Grenzmuseums Schirnding Pohraniční Muzeum Schirnding“ in „Bayerisches Grenzmuseum Schirnding Bavorské pohraniční muzeum Schirnding“. Das deutsch-tschechische Grenzmuseum steht in enger Zusammenarbeit mit dem Zollmuseum Pilsen, der Generalzolldirektion Prag, dem Archiv Pilsen, dem Archiv Cheb (Eger), dem Grenzland- und Trenckmuseum Waldmünchen, der Landeststelle für nichtstaatliche Museen München, dem Museumsbeauftragten für Museen Oberfranken sowie mit Professoren der Universitäten Pilsen und Regensburg.
Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls wurde 2014 eine Ausstellung mit dem Titel „25 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs 1989 – 2014“ konzipiert, die die Geschichte der deutschen Teilung und des Umbruchs im Herbst 1989 thematisiert. Die Schautafeln können entliehen werden.
Kontakt
Förderverein d. Grenzmuseum Pohranicni Muzeum Schirnding e.V.
Haupstraße 15
95706 Schirnding
Homepage: http://www.grenzmuseum-schirnding.de/
Ereignisse
16. November 2007 - Eröffnung
Eröffnung Bayerisches Grenzmuseum Schirnding
4. November 1989 - Historie
Ersten DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft reisen in Schirnding in die Bundesrepublik ein
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Museale Anlage
- Historisch: Ja
- Standort: Haupstraße 15
- Stadt: Schirnding
- Gebiet: Bayern
- Land: Deutschland
