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Samtene Revolution

Die Samtene Revolution bezeichnet eine Reihe von Ereignissen, die zum Sturz des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei führen. Das Adjektiv „samten“ bzw. slowakisch „sanft“ beschreibt den friedlichen und vollkommen gewaltfreien Charakter des sich anbahnenden politischen Systemwechsels. Unter dem Eindruck der Ereignisse in den Nachbarländern, besonders in Polen und Ungarn, kommt es in der Tschechoslowakei ab 1989 zu Protesten gegen Regierung und Partei, auf die die Machthaber mit Gewalt und verstärkter Verfolgung antworten. Im Juni 1989 veröffentlicht die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 die Petition „Einige Sätze“, in der sie demokratische Verhältnisse im Land einfordert. Die Parteiführung verweigert jedoch jeglichen Dialog mit der Opposition.
Die Revolution beginnt mit einer Studentendemonstration am 17. November 1989, in deren Folge es über zwölf Tage lang zu einer wachsenden Zahl von Protestdemonstrationen im ganzen Land kommt, die immer mehr Menschen anziehen. Während einer Demonstration am 19. November gründen sich die demokratischen Bürgerbewegungen „Bürgerforum“ in Prag und „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ in Bratislava. Am 21. November untersagt Ministerpräsident Ladislav Adamec der Polizei jegliches gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstrationen und verspricht, Gespräche mit der von Václav Havel und Alexander Dubček geführten Opposition aufzunehmen. Am 24. November tritt die gesamte Führung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei zurück. Von da an lösen sich die Strukturen des kommunistischen Staates rasend schnell auf. Der Generalstreik am 27. November bringt das ganze Land zum Erliegen. Nach seinem Treffen am 28. November mit Václav Havel kündigt Ministerpräsident Adamec die Bildung einer neuen Regierung unter Beteiligung der demokratischen Opposition sowie den Rücktritt von Staatspräsident Gustáv Husák an. Am 10. Dezember konstituiert sich die neue Regierung. Am 29. Dezember 1989 wird Václav Havel zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt und Alexander Dubček wird Parlamentspräsident.