Prag, Tschechische Republik
Gedenktafel für Jan Palach
Die Gedenktafel für Jan Palach wurde Anfang der 1990er Jahre an der philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag angebracht. Die längliche, aus Bronze gefertigte Tafel, zeigt eine Büste Palachs und das Datum seiner Selbstverbrennung am 16. Januar 1969. Darüber ist der tschechische Wappenlöwe zu sehen.
Nachdem der Tod Jan Palachs am 19. Januar 1969 bekannt geworden war, formierte sich am Nachmittag des selben Tages ein spontaner Demonstrationszug vom Wenzelsplatz zur philosophischen Fakultät der Karlsuniversität. Vertreter der Universität brachten vor der versammelten Menge ihr Mitgefühl zum Ausdruck, betonten aber auch, dass Palach kein Beispiel für weitere Protestaktionen sein dürfte. Von einigen Anwesenden wurde das Areal vor dem Gebäude, der damals Platz der Roten Armee hieß, in Jan-Palach-Platz umbenannt. Die provisorisch angebrachten Papierschilder wurden von den Behörden entfernt, tauchten aber in den kommenden Wochen immer wieder auf. Erst 1990 wurde der Platz endgültig Jan Palach zu Ehren benannt.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 in Mělnik als Sohn eines Kaufmanns geboren, der den Familienbetrieb wegen des kommunistischen Umsturzes noch im gleichen Jahr aufgeben musste. Die Familie siedelte nach Všetaty, wo Palach seine Jugend verbrachte. Ab 1963 besuchte er das Gymnasium in Mělnik, das er drei Jahre später absolvierte. Obwohl er die Aufnahmeprüfung zum Philosophiestudium bestanden hatte, konnte er sich nicht an der Prager Karlsuniversität immatrikulieren. Er studierte die kommenden zwei Jahre an der Wirtschaftshochschule. Im Frühjahr 1968 erhielt er die nachträgliche Zulassung für die philosophische Fakultät, wo er während des Prager Frühlings direkt mit den politischen und gesellschaftlichen Reformen in Kontakt kam. Nach dem Einmarsch der Interventionstruppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 beteiligte sich Palach an den Studentenstreiks im Herbst 1968, war jedoch von der zunehmenden Lethargie und Gleichgültigkeit seiner Landsleute enttäuscht. Zum Zeichen des Protestes gegen die einsetzende „Normalisierung“ beschloss Palach sich selbst zu verbrennen.
Noch zum Jahreswechsel besuchte er seine Mutter und kehrte Anfang Januar 1969 nach Prag zurück. Am 15. Januar, einen Tag vor seiner Tat, fuhr er noch einmal kurz nach Hause, um der Beisetzung seines Onkels beizuwohnen.
Am folgenden Tag fuhr er mit dem Zug nach Prag und begab sich gegen 16.00 Uhr ins Stadtzentrum. Am Fuße des Nationalmuseums übergoss er sich mit Benzin, zündete ein Streichholz an und lief brennend in Richtung des belebten Wenzelsplatz. Nach wenigen Metern brach er bewusstlos zusammen. Ein Straßenbahnfahrer löschte mit seinem Mantel das Feuer und Palach wurde wenig später mit schwersten Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht. Vor der Selbstentzündung hatte er mehrere Briefe, in denen er die Gleichgültigkeit anklagte und die Abschaffung der Zensur forderte, verschickt. Die Nachricht von der Verbrennung und seine schnell bekannt gewordenen Forderungen zogen eine große Welle der Solidarität und des Protestes nach sich. Einige Studenten, unter ihnen Jan Zajích, hielten am Wenzelsdenkmal einen Hungerstreik ab.
Jan Palach erlag am 19. Januar 1969 seinen Verletzungen. Sein Leichnam wurde am 24. Januar 1969 in der Karlsuniversität aufgebahrt und anschließend unter der Anteilnahme tausender Menschen auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der Gebäudefassade)
Jan Palach / 16.1.1969
Deutsche Übersetzung:
Jan Palach 16.1.1969
Jan Palach 16.1.1969
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
1990 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Jan Palach
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Jan-Palach-Platz
- Stadt: Prag
- Ortsteil: Prag 1
- Land: Tschechische Republik

