Budapest, Ungarn
Gedenktafel für Imre Nagy
Die Gedenktafel für Imre Nagy wurde Ende der 1990er Jahre in der Aula der Matthias-Corvinus-Universität angebracht. Sie zeigt ein bronzenes Konterfei Nagys in der linken oberen Ecke. Rechts daneben sind sein Namenszug und die Lebensdaten eingraviert.
Imre Nagy wurde am 7. Juni 1896 im südwestungarischen Bezirk Somogy in der Stadt Kaposvár geboren. Nach vier Jahren Gymnasium (1907 bis 1912) machte er eine Schlosserlehre und erhielt im Jahr 1914 den Gesellenbrief als Maschinenschlosser. Im Sommer 1914 schrieb sich Imre Nagy an der höheren Handelsschule in Kaposvár ein und begann im September das Studium, dass er jedoch nicht beenden konnte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Imre Nagy im Mai 1915 als Soldat in die osterreich-ungarische Armee eingezogen. Im Juli 1916 geriet er in Galizien in russische Kriegsgefangenschaft und wurde anschließend in einem Lager in Beresovka am Baikalsee festgehalten. Hier kam er erstmals auch mit den Ideen der russischen sozialistischen Bewegung in Berührung, die ihn nachhaltig prägten. Nach der Oktoberrevolution 1917 trat er in die Gewerkschaft des Kriegsgefangenenlagers ein und schloss sich den in der Entstehung begriffenen Roten Garden an. Im Mai 1920 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Russlands und ab dem Sommer 1920 gehörte er zur „Allrussischen Außerordentlichen Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage“ (Čeka) in Irkutsk. Daneben hielt er Vorträge und schrieb Artikel für die lokalen Zeitungen der ungarischen Kommunisten.
1921 wieder in Ungarn zurück wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, aus der er jedoch wegen seiner linksextremen Positionen 1925 ausgeschlossen wurde. Nagy stand unter polizeilicher Beobachtung. Nach zwei Verhaftungen im Jahr 1927, bei denen er aufgrund mangelnder Beweise nicht verurteilt wurde, tauchte Nagy unter. Er folgte der Aufforderung der Leitung der illegalen Kommunistischen Partei Ungarns (KMP) und ging Ende März 1928 nach Wien. Von dort aus kehrte er noch mal als Illegaler nach Budapest zurück und emigrierte 1930 schließlich in die Sowjetunion. Bis 1936 war er Mitarbeiter des Internationalen Agrarinstitutes und dort vor allem mit Fragen der ungarischen Landwirtschaft beschäftigt und arbeitete das Agrarprogramm der Kommunistischen Partei Ungarns aus. Den großen Säuberungen entging Nagy nach einer Denunziation Béla Kuns nur knapp. Er wurde im Frühjahr 1936 aus der Partei ausgeschlossen und 1938 kurzzeitig verhaftet, blieb von weiteren Repressalien verschont. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges durfte Nagy wieder in die KP eintreten. Während des Krieges arbeitete er beim ungarischen Programm des staatlichen Rundfunks in Moskau.
Im Dezember 1944 kehrte er nach Ungarn zurück und war er bis 1946 Landwirtschaftsminister und zugleich auch Innenminister der Provisorischen Regierung Ungarns in Debrecen. 1947 bis 1949 war er Präsident der ungarischen Nationalversammlung. Im gleichen Jahr geriet er in Konflikt mit der offiziellen Parteipolitik, die seinen Rücktritt aus dem Politbüro der MDP zur Folge hatten. Bereits ein Jahr später wurde Nagy wieder in die Parteiführung aufgenommen, bekleidete dort allerdings einen unbedeutenderen Posten. 1953 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt und versuchte umfangreiche wirtschaftliche und politische Reformen durchzuführen. 1955 verlor er alle seine Ämter und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Seine Ideen blieben jedoch in Teilen der ungarischen intellektuellen Elite präsent und wurden ab Mitte 1956 immer stärker in der Öffentlichkeit diskutiert. Nagy, der sich an diesen Entwicklungen kaum selbst beteiligte, blieb so Hoffnungsträger für ein reformiertes Ungarn. Unter dem Eindruck der ersten Demonstrationen kehrte Nagy am 23. Oktober 1956 auf Forderung der Aufständischen in die höchste Führungsebene der Partei zurück und wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. In dieser Funktion versuchte er einerseits, die wichtigsten Ziele der Revolution gegenüber der der Ungarischen Arbeiterpartei (MDP) und der sowjetischen Führung durchzusetzen. Sein Verhalten gegenüber den Aufständischen war zunächst zurückhaltend. Erst mit seiner Erklärung vom 28. Oktober und dem Waffenstillstand avancierte er zur Leitfigur der Revolution. Er trat für den Abzug der sowjetischen Truppen, das Mehrparteiensystem und die Neutralität Ungarns ein. Am 30. Oktober 1956 wurde eine neue Regierung mit Nagy an der Spitze gebildet, der auch Nicht-Kommunisten und Liberale angehörten. Mit dem zweiten sowjetischen Einmarsch am 4. November 1956 fanden er und seine Mitarbeiter in der jugoslawischen Botschaft Zuflucht. Am 22. November wurde Nagy entgegen der Zusicherung des neuen Parteichefs János Kádárs von sowjetischen Beamten verhaftet und nach Rumänien verbracht. Nagy wurde gemeinsam mit seiner Frau in einem Haus in Snagov untergebracht, das er über den Garten hinaus nicht verlassen durfte. Sie wurden vom rumänischen Sicherheitsdienst überwacht, ihre Gespräche wurden abgehört und protokolliert. Am 12. April 1957 wurde Nagy in Snagov offiziell verhaftet und im Juni an Ungarn ausgeliefert. Nagy wird zusammen mit anderen im Gefängnis in der Fő utca festgehalten, währenddessen die politische Führung des Landes mit der Vorbereitung des Prozesses gegen ihn begann. Am 15. Juni 1958 wurde Nagy so vom Volksgerichthof des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt. Die Anklage lautete auf Hochverrat und Bildung einer Verschwörung zum Sturz der ungarischen Regierung. Ein Gnadengesuch wurde unmittelbar nach Ende der Verhandlung abgelehnt und Nagy in das Gefängnis an der Kozma utca überstellt, wo er seine letzte Nacht verbracht. Am frühen Morgen des 16. Juni 1958 wurde im Imre Nagy in der Haftanstalt gehängt
Übersetzung (Englisch)
Memorial Plaque for Imre Nagy
The memorial plaque for Imre Nagy was installed in the auditorium of the Matthias Corvinus University towards the end of the 1990's. It contains a bronze likeness of Nagy at the upper left-hand side. Nearby to the right, one cane see his name and biography engraved.
Imre Nagy was born on June 7, 1896 in the city of Kaposvár, located in the southwest Hungarian district of Somogy. After four years of grammar school (1907 until 1912), he undertook a locksmith apprenticeship, and subsequently acquired his apprenticeship diploma as a machine fitter in the year 1914. During the summer of 1941, Imre Nagy matriculated at the Advanced Commercial School in Kaposvár, beginning studies in September of the same year which he would, however, not be able to finish. After the outbreak of World War I Nagy was drafted as a soldier into the Austro-Hungarian army in May 1915. In July 1916, he became a Russian prisoner of war in Galicia, later being detained in a camp in Beresovka at Lake Baikal. Here, he came into contact for the first time with ideas originating from the Russian Socialist movement, which would remain lasting influences for the rest of his life. Following the October Revolution in 1917, he joined the labour union at the prisoner of war camp, as well as combining efforts with a Red Guard which was still in its nascent phase. In May 1920, he became a member of the Russian Communist Party, and after the summer of 1920 he had joined the „Pan-Russian Extraordinary Commission for the Fight Against Counterrevolution and Sabotage (Čeka)“ in Irkutsk. Along with these activities, Nagy also gave lectures and wrote articles for local newspapers run by Hungarian Communists.
Returning to Hungary in 1921, he became a member of the Social Democratic Party, although he was later excluded from membership as a result of his left-wing extremist views. Eventually, Nagy was placed under police surveillance. Following two arrests during the year 1927, which ended with his exoneration due to a lack of evidence, Nagy went underground. He responded to demands coming from the leadership of the illegal Hungarian Communist Party (KMP) and traveled on to Vienna at the end of March 1928. From there, he returned to Budapest once again despite his illegal status, but finally emigrated to the Soviet Union in 1930. He was a co-worker at the International Agronomy Institute there and was primarily concerned with issues regarding Hungarian agriculture, going on to develop the agrarian programme for the Communist Party of Hungary. Nagy just narrowly evaded the wide-reaching social purges which ensued after the denunciation of Béla Kun. He was expelled from the Communist Part in the early months of 1936, he was under arrest for a brief period in 1938, nonetheless he was spared further indignities afterwards. Shortly preceding World War II, Nagy was allowed to rejoin the Communist Party. During WWII, he was employed by the state radio broadcaster responsible for Hungarian programmes in Moscow.
Returning to Hungary in December 1944, Nagy served as Minister of Agriculture until 1946, while simultaneously acting as Minister of the Interior for the provisional Hungarian government in Debrecen. From 1947 until 1949 he was president of the Hungarian National Assembly. During the latter year, Nagy came into conflict with official party policies, which led to his resignation from the politbureau of the Hungarian Workers' Party (MDP). Only one year later, Nagy was allowed to rejoin the party leadership, although he served in a position of less significance. In 1953, he was appointed Minister President and attempted to implement comprehensive political and economic reforms. In 1955, Nagy was divested of all political functions and was expelled from the Party. Nevertheless, his ideas were kept alive by parts of the Hungarian intelligentsia, and after mid-1956 these ideas were increasing debated in the public sphere. Nagy – who had scarcely participated in such developments himself – remained a beacon of hope for a reformed Hungarian state. Responding to the pressures of the initial demonstrations, Nagy returned to the upper echelons of party leadership at the request of the insurgents on October 23, 1956, and was shortly thereafter appointed Minister President. In this function, he endeavoured to defend the most important interests of the revolution both in respect to the Hungarian Workers' Party (MDP) and the Soviet hegemony. Initially, his reaction to the insurgents was reserved. Only after his declaration from October 28th and the cease-fire did Nagy advance to a leading figure of the Hungarian revolution. He actively supported the withdrawal of Soviet troops, the establishment of a multi-party system of government and the neutrality of the Hungarian state. On October 30, 1956, a new government was formed with Nagy at its head, which also included non-communists and liberals. After the second invasion of Soviet troops on November 4, 1956, Nagy and his co-workers were forced to seek refuge in the Yugoslav embassy. Despite the reassurements of the new party leader János Kádárs, Nagy was arrested by Soviet officials on November 22nd, and was taken to Romania. Nagy – together with his wife - was confined to a house in Snagov and not allowed to proceed beyond its garden. They were under constant observation by the Romanian secret service, their conversations were monitored and transcribed. On April 12, 1957, Nagy was placed under official arrest in Snagov and the extradited to Hungary in June. Nagy was detained with other captives in the prison in the Fő utca, while the political leadership of the state was making preparations for the trial against him. On June 15, 1958, Imre Nagy was sentenced to death by the People's Court Division of the Hungarian Supreme Court. The charges were high treason and the formation of a conspiracy to overthrow the Hungarian government. A plea for clemency was rejected immediately after the legal proceedings, and Nagy was transferred to the prison in the Kozma utca to spend his final night. During the early morning hours of June 16, 1958, Imre Nagy was hanged in the penitentiary.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(an der Gebäudefassade)
NAGY
IMRE
1896
1958
Deutsche Übersetzung:
Imre Nagy 1896 1958
Imre Nagy 1896 1958
Englische Übersetzung:
NAGY IMRE 1896 1958
NAGY IMRE 1896 1958
Sprache: Ungarisch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
1993 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel für Imre Nagy
Literatur
- Rainer, János: Imre Nagy. Vom Stalinisten zum Märtyrer des ungarischen Volksaufstands. Eine politische Biographie 1896 – 1958, Paderborn 2006
- 1956 enciklopédiája. A magyar forradalom és szabadságharc. 1956 október 6.- december 12, hrsg. vom 1956-os Intézet (1956-er Institut), Budapest 1999. 1 CD-ROM
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Unbekannt
- Standort: in der Aula der Corvinus-Universität, Fővám tér 8
- Stadt: Budapest
- Ortsteil: IX. Stadtbezirk
- Land: Ungarn
