Prag, Tschechische Republik
Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc
Das Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc wurde am 16. Januar 2000 aus Anlass des 31. Jahrestages der Selbstverbrennung von Jan Palach am nördlichen Ende des Wenzelsplatzes neben dem Brunnen unterhalb des Nationalmuseums eingeweiht. Nach langen Debatten um die Gestaltung dieses symbolträchtigen Ortes wurde der Entwurf von Čestmír Houska und Jiri Vesely umgesetzt. Zwei hügelartige Erhebungen im Kopfsteinpflaster symbolisieren Palach und Zajíc, die durch ein liegendes bronzenes Kreuz miteinander verbunden sind. Das Ende des Kreuzes weist in jene Richtung, in die der brennende Palach auf den Wenzelsplatz laufen wollte. In die Querbalken sind die Namen der beiden Jugendlichen eingraviert. An der feierlichen Einweihungszeremonie nahm der Bürgermeister von Prag teil, zusammen mit Vertretern der Jan-Palach-Gesellschaft Všetaty und des Unternehmens Thimm, das sich an den Kosten für den Bau beteiligte.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 in Mělnik als Sohn eines Kaufmanns geboren, der den Familienbetrieb wegen des kommunistischen Umsturzes noch im gleichen Jahr aufgeben musste. Die Familie siedelte nach Všetaty, wo Palach seine Jugend verbrachte. Ab 1963 besuchte er das Gymnasium in Mělnik, das er drei Jahre später absolvierte. Obwohl er die Aufnahmeprüfung zum Philosophiestudium bestanden hatte, konnte er sich nicht an der Prager Karlsuniversität immatrikulieren. Er studierte die kommenden zwei Jahre an der Wirtschaftshochschule. Im Frühjahr 1968 erhielt er die nachträgliche Zulassung für die philosophische Fakultät, wo er während des Prager Frühlings direkt mit den politischen und gesellschaftlichen Reformen in Kontakt kam. Nach dem Einmarsch der Interventionstruppen des Warschauer Paktes am 21. August 1968 beteiligte sich Palach an den Studentenstreiks im Herbst 1968, war jedoch von der zunehmenden Lethargie und Gleichgültigkeit seiner Landsleute enttäuscht. Zum Zeichen des Protestes gegen die einsetzende „Normalisierung“ beschloss Palach sich selbst zu verbrennen. Noch zum Jahreswechsel 1968/69 besuchte er seine Mutter und kehrte Anfang Januar 1969 nach Prag zurück. Am 15. Januar, einen Tag vor seiner Tat, fuhr er noch einmal kurz nach Hause, um der Beisetzung seines Onkels beizuwohnen. Am folgenden Tag fuhr er mit dem Zug nach Prag und begab sich gegen 16.00 Uhr ins Stadtzentrum. Am Fuße des Nationalmuseums übergoss er sich mit Benzin, zündete ein Streichholz an und lief brennend in Richtung des belebten Wenzelsplatzes. Nach wenigen Metern brach er bewusstlos zusammen. Ein Straßenbahnfahrer löschte mit seinem Mantel das Feuer und Palach wurde wenig später mit schwersten Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht. Vor der Selbstentzündung hatte er mehrere Briefe, in denen er die Gleichgültigkeit anklagte und die Abschaffung der Zensur forderte, verschickt. Die Nachricht von der Verbrennung und seine schnell bekannt gewordenen Forderungen zogen eine große Welle der Solidarität und des Protestes nach sich. Einige Studenten, unter ihnen Jan Zajích, hielten am Wenzelsdenkmal einen Hungerstreik ab. Jan Palach erlag am 19. Januar 1969 seinen Verletzungen. Sein Leichnam wurde am 24. Januar 1969 in der Karlsuniversität aufgebahrt und anschließend unter Anteilnahme tausender Menschen auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.
Jan Zajíc wurde am 3. Juli 1950 in Vítkov als Sohn einer Lehrerin und eines Drogisten geboren. Nach dem Besuch der Schule begann er eine Ausbildung an einer Eisenbahnerfachschule in Šumperk. Zajíc begleitete die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche während des Prager Frühlings voller Begeisterung. Er nahm an verschiedenen Kundgebungen und Initiativen teil und war von der Niederschlagung der Reformbewegung durch die Truppen des Warschauer Paktes stark erschüttert. Ähnlich wie Palach beklagte er in den folgenden Monaten die sich ausbreitende Gleichgültigkeit der tschechoslowakischen Gesellschaft nach der Aufbruchsstimmung der letzten Jahre. Als Zajíc von der Selbstverbrennung Palachs hörte, begab er sich nach Prag und schloss sich einem Hungerstreik an, der die Forderungen Palachs bekräftigen sollte. Ende Januar kehrte er nach Šumperk zurück, wo er sein Studium wieder aufnahm. Am 25. Februar 1969, dem Jahrestag des kommunistischen Umsturzes von 1948, fuhr er zusammen mit drei Freunden morgens nach Prag. In seinem Gepäck befanden sich mehrere Briefe und Resolutionen. Gegen 13.30 Uhr begab sich Zajíc allein ins Stadtzentrum und trank im Keller des Hauses Nr. 39 am Wenzelsplatz Benzin, übergoss sich mit dem Rest und zündete sich anschließend an.
Zajíc hatte geplant, aus dem Hauseingang heraus auf den Wenzelsplatz zu laufen, brach aber bereits auf der Kellertreppe tot zusammen. Obwohl er mit seiner Tat nicht das gleiche öffentliche Aufsehen erregte, verbreitete sich die Nachricht von einer erneuten Selbstverbrennung schnell. So nahmen an der feierlichen Beisetzung Zajícs am 2. März 1969 in seiner Heimatstadt tausende Menschen teil.
Ereignisse
16. Januar 2000 - Einweihung
Einweihung des Denkmals für Jan Palach und Jan Zajíc
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: Wenzelsplatz 1700/68
- Stadt: Prag
- Ortsteil: Prag 1
- Land: Tschechische Republik

