Meerane, Deutschland

Gedenktafel zur Erinnerung an die Friedliche Revolution

 
Am 9. Oktober 2009 enthüllten der Stadtrat, Jörg Sommer, sowie der Zeitzeuge und ehemalige Amtsinhaber, Detlef Kahnt, an der St. Martinskirche eine Gedenktafel zur Erinnerung an die ersten Friedensgebete im Herbst 1989 an diesem Ort. Kahnts Initiative zur Anbringung eines Erinnerungszeichens setzte der Künstler Ingo Kaufmann gestalterisch um, während Graveur Bernd Lehmann die Finanzierung und praktische Realisierung übernahm. Begleitet wurde die feierliche Enthüllungszeremonie von einer Vernissage in der St. Martinskirche, die anlässlich des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution die Ausstellung „Zwischen Angst und Aufmüpfigkeit – Friedensgebete, Umweltbewegung, Kirchgemeinde und Friedliche Revolution“ präsentierte. Im Jahr 2008 bestimmte die Stadt Meerane den 9. Oktober zum kommunalen Gedenktag an die Ereignisse des Herbstes 1989. Nach den staatlichen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR am 7. Oktober 1989, die im Gegensatz zur tatsächlichen Stimmung im Land standen, intensivierte sich das Protestgeschehen, insbesondere in den Großstädten. In Leipzig versammelten sich am 9. Oktober zehntausende Menschen zur „Montagdemonstration“ und riefen „Wir sind das Volk“. Zuvor hatten drei Sekretäre der SED-Kreisleitung sowie der Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters, Kurt Masur, gemeinsam mit dem Pfarrer Peter Zimmermann und dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange einen Aufruf unterzeichnet. Darin versprachen die Beteiligten einen Dialog zwischen Bürgern und der SED und verpflichteten sich zur Gewaltlosigkeit. Erstmals bei einer Massendemonstration griffen die Sicherheitskräfte nicht ein. Zur selben Zeit, im etwa 70 Kilometer südlich gelegenen Meerane, fand das erste Friedensgebet in der St. Martinskirche statt. Anschließend versammelten sich etwa 300 Bürger zu einer friedlichen Demonstration durch das Stadtzentrum. In den folgenden Tagen und Wochen fanden weitere Protestkundgebungen und Friedensgebete statt. So beteiligten sich am 25. Oktober rund 1700 Interessierte an einer Informationsveranstaltung des Neuen Forum in der Martinskirche. An einer daran anknüpfenden Dialogveranstaltung mit dem Bürgermeister auf dem Marktplatz nahmen etwa 700 Meeraner teil. Wie überall im Land versuchte das Ministerium für Staatssicherheit mit allen ihm vor Ort zur Verfügung stehenden inoffiziellen Mitarbeitern, so viele Demonstrationsteilnehmer wie möglich für eine spätere Verfolgung zu erfassen. Nichtsdestotrotz, demonstrierten nur fünf Tage später, am 30. Oktober, nach einem Fürbittgottesdienst erneut etwa 1500 Bürger. Noch in der Kirche erklang die Forderung nach Abschaffung der SED, der Wahl eines neuen Stadtratsvorsitzenden sowie der Absetzung des SED-Chefideologen und obersten Kulturverantwortlichen Kurt Hager. Am 2. November nahmen erneut etwa 1000 Meeraner an einer Kundgebung teil. Am 6. November waren sogar doppelt so viele Menschen auf den Straßen der Stadt, um für Freiheit und Demokratie zu demonstrieren.

Inschriften

Inschrift der Gedenktafel
(Am Eingang der St. Martinskirche)
Friedensgebete // 1989 // Friedliche Revolution
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

9. Oktober 2009 - Einweihung
Einweihung der Gedenktafel an die Friedliche Revolution

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns an die Friedliche Revolution, Berlin 2024