Taucha, Deutschland

Gedenktafel zur Erinnerung an den 17. Juni 1953

 
Einer der größten Arbeitgeber in Taucha war 1952 die von Walter Klug 1934 gegründete Eisengießerei, in der 120 Menschen beschäftigt waren. 1952 geriet der Unternehmer ins Visier der SED, die sein Unternehmen verstaatlichen wollte. Im November desselben Jahres wurde Walter Klug verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, aus der ihm gehörenden Betriebsküche 22 Flaschen Öl, 99 Eier und zwölf Stück Butter für den privaten Gebrauch abgezweigt zu haben. Dies diente als Vorwand dafür, Klug als „Feind des Sozialismus“ zu verfolgen und zu verhaften. Das Unternehmen wurde unter treuhänderische Verwaltung durch einen SED-Genossen gestellt, der den Auftrag hatte, den Betrieb in den Konkurs zu führen, um ihn so verstaatlichen zu können. Auch die Arbeiter der Eisengießerei wurden durch die Normerhöhung im Mai und Juni 1953 getroffen. Sie sollten ihre Erschwerniszulagen für die Arbeit an den Schmelzöfen verlieren, was einer zehnprozentigen Lohnkürzung gleichkam. Als die Arbeiter am 17. Juni 1953 von den Ereignissen in Berlin hörten, fuhren sie die Schmelzöfen herunter und traten ebenfalls in den Streik. Sie zogen in einer spontanen Demonstration vom Werksgelände zum Marktplatz von Taucha, riefen „Nieder mit der SED“ und forderten die Zahlung der Erschwerniszulage wie bisher sowie die Freilassung von Walter Klug. Sechs Arbeiter wurden auf dem Marktplatz verhaftet. Am Morgen des 18. Juni wurde Klug überraschend freigelassen, woraufhin die Arbeiter in der Gießerei ihre Arbeit wiederaufnahmen. Seine Firma durfte er allerdings nicht mehr leiten. 1955 wurde für sein Unternehmen Konkurs angemeldet, der Betrieb eingestellt und das Grundstück verstaatlicht. 1956 verließ die Familie Klug die DDR. Eine Tochter Klugs, Christine Afifi, kehrte 1990 nach Taucha zurück und erreichte nach mehrjährigem Rechtsstreit die Rückgabe des früheren Firmengeländes in den Familienbesitz. Sie ließ zwei Gedenktafeln anbringen, um an das dort ansässige Unternehmen und die Ereignisse vom 17. Juni 1953 zu erinnern.

Inschriften

Inschift der Tafel zur Erinnerung an die Eisengießerei
(am Gerichtsweg)
Eisengießerei Walter Klug / bis 1952
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Tafel zum 17. Juni 1953
(am Gerichtsweg)
Erinnerung an den / 17. Juni 1953 / für den mutigen Aufstand der Arbeiter / der Eisengießerei Walter Klug
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Wolff, Jochen (Hrsg.): Der Aufstand. Juni '53 – Augenzeugen berichten, Berlin 2003
  • Roth, Heidi: Der 17. Juni 1953 in Sachsen, Köln 1999

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Gerichtsweg 9
  • Stadt: Taucha
  • Gebiet: Sachsen
  • Land: Deutschland