Potsdam, Deutschland
Gedenktafel für Potsdamer Schüler
Am 1. Oktober 1945 begann an den Schulen in der SBZ wieder der Unterricht. Als Pflichtfach wurde Russisch eingeführt. Die sowjetische Besatzungsmacht begründeten dies damit, dass es im Interesse des Friedens und der Zukunft Deutschlands liege, die Jugend mit dem Geist und der Kultur des „großen Nachbarvolkes“ vertraut zu machen.
Es gab allerdings auch Schüler, die sich weigerten, am Russisch-Unterricht teilzunehmen oder die gegen das Pflichtfach protestierten. Dazu gehörten auch Joachim Douglas, Klaus Eylert und Klaus Tauer vom Potsdamer Einstein-Gymnasium. Douglas und Tauer wurden am 11. Dezember 1945 verhaftet, Eylert folgte am 18. Dezember. Neben der Verweigerung des Russisch-Unterrichts wurde ihnen die „Bildung einer Terrorgruppe zur Bekämpfung der Roten Armee“ vorgeworfen. Am 22. Januar 1946 wurden sie zum Tode verurteilt und am 11. April erschossen.
Wenig später stand das Potsdamer Einstein-Gymnasium wieder im Fokus der sowjetischen Besatzer: 32 Schüler trugen aus Protest gegen die Besatzung und gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED am 1. Mai anlässlich der Jubelfeier statt der verordneten roten Nelken weiße oder rosa Blüten. Neun Jugendliche wurden festgenommen, darunter sechs Schüler des Einstein-Gymnasiums. Drei von ihnen blieben ohne Verurteilung, die anderen erhielten mehrere Jahre in Speziallager-Haft. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte den 1. Mai als Jubeltag für die „demokratische Erneuerung Deutschlands“ geplant und erwartete von den Schulen die geschlossene Teilnahme am Demonstrationszug.
Douglas, Eylert und Tauer wurden 1993 von der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation für unschuldig erklärt und rehabilitiert. 2002 beschloss die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der CDU, dass in den Potsdamer Schulen Gedenktafeln angebracht werden, die an die in der Zeit des Stalinismus ermordeten Schüler erinnern sollen. Der Verein ehemaliger Potsdamer Real- und Einstein-Gymnasiasten (VPREG) nahm sich der Sache an und sorgte für die Realisierung einer Gedenktafel. Am 11. Juni 2004 wurde im Potsdamer Einstein-Gymnasium die Tafel enthüllt, die an Schüler erinnert, die Opfer politischer Repression wurden.
Inschriften
Inschrift der Gedenktafel
(im Einstein-Gymnasium)
Zum Gedenken an / Joachim Douglas / Klaus Eylert / Klaus Tauer // Diese ehemaligen Schüler wurden am 18. April 1946 im Alter von 16 und 17 Jahren / zu Unrecht von den sowjetischen Militärbehörden hingerichtet. / Sie stehen hier stellvertretend für alle Angehörigen dieser Schule, / die in dieser Zeit Opfer politischer Repressalien wurden. // VPREG
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
11. Juni 2004 - Einweihung
Enthüllung der Gedenktafel für Potsdamer Schüler
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Einstein-Gymnasium, Hegelallee 30
- Stadt: Potsdam
- Gebiet: Brandenburg
- Land: Deutschland


