Bonn, Deutschland
Gedenkstein zur Erinnerung an den Mauerfall und die Wiedervereinigung
Knapp ein halbes Jahr nach der Gründung der Bundesrepublik bestimmte der erste Deutsche Bundestag am 3. November 1949 Bonn zum provisorischen Sitz von Parlament und Regierung. Anders als das zuvor favorisierte Frankfurt am Main – mit der Paulskirche als wirkmächtigem Symbol der deutschen Demokratiegeschichte, seiner günstigen Lage an der Schnittstelle der drei westlichen Besatzungszonen sowie seiner Stellung als Industriestandort – erschien Bonn geeigneter, um den vorläufigen Charakter einer „Weststaatgründung“ zu unterstreichen und die abschließende Frage des zukünftigen Regierungssitzes offenzuhalten. Bad Godesberg, das erst 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen als Bonner Stadtbezirk eingemeindet wurde, entwickelte sich als Sitz verschiedener Botschaften und Wohnort zahlreicher Staatsbediensteter zur sogenannten Diplomatenstadt. Zugleich stärkten die Abgeordneten den symbolischen Status Berlins als Bundeshauptstadt: „Die leitenden Bundesorgane verlegen ihren Sitz in die Hauptstadt Deutschlands, Berlin, sobald allgemeine, freie, gleiche, geheime und direkte Wahlen in ganz Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone durchgeführt sind.“ Erst die Zäsur des Baus der Berliner Mauer am 13. August 1961 änderte die Bedeutung von Bonn als Provisorium und Platzhalter. Damit war Berlin als gesamtdeutsche Hauptstadt auf unbestimmte Zeit unmöglich geworden.
Als Zeichen der Solidarität und Verbundenheit mit den Menschen im geteilten Berlin brachte der Bundestagsabgeordnete Dr. Göke Frerichs noch im selben Jahr im Godesberger Stadtrat einen Antrag auf Abschluss eines Freundschaftsabkommens mit dem Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf ein, der 1962 in eine Städtepartnerschaft mündete. Drei Jahre später wurde sowohl an der Steglitzer Matthäuskirche als auch im Godesberger Kurpark eine von dem Künstler Gerd-Dieter Popielaty geschaffene Skulptur enthüllt. Das als „Mahnmal für die Deutsche Einheit (Leid an der Mauer)“ betitelte Kunstwerk in Bonn wurde vom Bezirk Berlin-Steglitz gestiftet. Es zeigt einen sich an einem Mauerfragment festhaltenden Menschen. Offen bleibt, ob die Person gerade dabei ist, sich über die Mauer zu hieven, oder ob sie von Schüssen niedergestreckt hinabgleitet und zusammenbricht.
Erst nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und mit Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 3. Oktober 1990 wurde Berlin wieder zur Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer zwölfstündigen Sitzung und einer spektakulären Debatte votierte der gesamtdeutsche Bundestag am 20. Juni 1991 mit knapper Mehrheit schließlich für den Umzug des Parlaments- und Regierungssitzes von Bonn nach Berlin.
Fast 24 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer weihte am 7. November 2013 die Godesberger Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann gemeinsam mit der Initiatorin und Stifterin Gudula Neidert-Buech im Kurpark neben dem Mahnmal einen weiteren Gedenkstein zur Erinnerung an den Mauerfall und die deutsche Einheit ein. Die Gestaltung des Erinnerungszeichens übernahm der Godesberger Steinbildhauer Siegfried Müller.
Inschriften
Inschrift des Gedenksteins
(an der Frontseite)
Mauerfall / 9. 11. 1989 / Deutsche Wiedervereinigung / 3. 10. 1990
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift des Gedenksteins
(an den Seitenkanten)
Von Gudula Neidert-Buech / gestiftet / zum 9. November 2013
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Inschrift der Gedenktafel am Mahnmal
(an der Frontseite)
Mahnmal / für die / Deutsche Einheit / Gestiftet /
vom Bezirk / Berlin-Steglitz / 1965
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
7. November 2013 - Einweihung
Einweihung des Gedenksteins zur Erinnerung an den Mauerfall und die Wiedervereinigung
1965 - Einweihung
Einweihung des Mahnmal für die Deutsche Einheit (Leid an der Mauer)
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Nein
- Standort: Koblenzer Straße 173, Stadtpark (Alt-Godesberg)
- Stadt: Bonn
- Ortsteil: Bad Godesberg
- Gebiet: Nordrhein-Westfalen
- Land: Deutschland


