Büddenstedt, Deutschland

Gedenkstein „Deutschland ist unteilbar“

 
Die Gemeinde gehörte zum Zonenrandgebiet im Osten der Bundesrepublik, in dem die Bewohner besonders unter der Teilung litten. Das Gebiet, das zuvor im Zentrum Europas lag, befand sich nun am Rand der westlichen Welt und alle regionalen Bindungen nach Osten waren abgetrennt. Am frühen Morgen des 6. Mai 1952 sperrte die Volkspolizei der DDR die Grenze. Die in der DDR wohnenden Mitarbeiter der Braunschweigische Kohlen-Bergwerke (BKB) konnten nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen im Tagebau Wulfersdorf und den übrigen Betriebsanlagen gelangen. Etwa 800 BKB-Arbeitern aus den Gemeinden östlich der Grenze wurde bei Schichtbeginn der Übertritt verweigert. In erster Linie war der Tagebau Wulfersdorf bei Neu-Büddenstedt betroffen. Die Aufhebung der Sperrmaßnahmen erfolgte schließlich auf Anordnung der sowjetischen Besatzungsmacht noch am selben Tag gegen 14.30 Uhr. Zeitgleich mit der Unterzeichnung des Deutschlandvertrages zwischen der Bundesrepublik und den Westmächten im Mai 1952 riegelten die sowjetischen und ostdeutschen Organe zwanzig Tage später die Grenzübergänge ab und unterbrachen den Schienen- und Straßenverkehr. Straßen und Wege wurden mit „Spanischen Reitern“, Balken, Eisenstangen oder Stacheldraht unpassierbar gemacht. Lediglich der Grenzübergang Helmstedt-Marienborn bestand fort als offizielle Möglichkeit zum Grenzübertritt in dieser Region. Der Grenzverlauf mitten durch eine Industrieanlage barg erhebliches Konfliktpotential. Der BKB gingen neben dem Tagebau Wulfersdorf mit 65 Millionen Tonnen Kohlevorrat und der maschinellen Ausstattung das Kraftwerk Harbke sowie die Brikettfabrik Bismarck verloren. Am schwersten wog der Verlust der jenseits der Grenze liegenden Kohlefelder mit einem Gesamtkohleinhalt von 300 Millionen Tonnen. Aber auch ein Teil der Tagebauausrüstung des durch die Zonengrenze geteilten Tagebaus „Viktoria“ wurde von der DDR beschlagnahmt. Trotz verstärkter polizeilicher und militärischer Aktivitäten agierten alle Beteiligten beider Seiten besonnen, sodass es nicht eskalierte. Dennoch blieb die Grenze scharf bewacht. Dazu gehörten mehrere Wachtürme, zahlreiche Lichtmasten, Zäune, Gräben und Minen. Nachdem 1952 die DDR die Grenze vollständig abgeschottet hatte, begann die Bundesregierung mit einer systematischen Förderung des Zonenrandgebietes. Ab 1954 wurde der gesamte 40 Kilometer breite Streifen zwischen Flensburg und Passau in die regionale Wirtschaftsförderung einbezogen, die 1959 durch ein Entwicklungsprogramm für zentrale Orte in ländlich strukturierten Regionen ergänzt wurde. Bereits seit dem 17. Juni 1961 existiert vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Offleben, einem heutigen Ortsteil von Büddenstedt, ein Gedenkstein zur Erinnerung an die deutsche Teilung. Er wurde auf Beschluss der Gemeinde Offleben errichtet und trägt eine Inschrift. Im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Offleben und Hötensleben sind auch heute noch zahlreiche Grenzsicherungsanlagen zu sehen und fungieren wie auch die Mauerreste als Mahnmal gegen das Vergessen.

Inschriften

Inschrift des Gdenksteins
(vor dem Dorfgemeinschaftshaus)
Deutschland / ist / unteilbar
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch

Literatur

  • Ullrich, Maren: Geteilte Ansichten. Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze, Berlin 2006

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
 
  • Kategorie: Gedenkort
  • Historisch: Ja
  • Standort: Barneberger Straße 10
  • Stadt: Büddenstedt
  • Ortsteil: Offleben
  • Gebiet: Niedersachsen
  • Land: Deutschland