Sonneberg, Deutschland
Erinnerungstafel für Sieglinde Bunde und László Balogh
An der DDR-Westgrenze zwischen Spechtsbrunn im Landkreis Sonneberg und dem oberfränkischen Tettau ereignete sich am 22. Juni 1973 eine Fluchttragödie. Die 21-Jährige Sieglinde Bunde aus Grimma wollte gemeinsam mit ihrem Verlobten, dem 18-jährigen Ungarn László Balogh, in die Bundesrepublik fliehen. Sie wurde dabei durch eine Landmine schwer verletzt. Ihr Verlobter wurde kurz darauf, beim Versuch den Grenzzaun zu überwinden, von einem DDR-Grenzsoldaten erschossen. Die Angehörigen des Bundesgrenzschutzes vernahmen zwar die Detonation, hörten Schüsse und Hilferufe, konnten jedoch nur tatenlos zusehen.
Sieglinde Bunde, deren Unterschenkel in Folge der schweren Verletzungen amputiert werden musste, wurde wegen „versuchter Republikflucht“ für 25 Monate inhaftiert. Der Todesschütze, Volker Engelbrecht, wurde für seine Tat mit der Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee (NVA) ausgezeichnet. Zur Rechenschaft wurde er bis zu seinem Tod 1995 nicht gezogen. Lediglich der Stabschef des Grenzkommandos Süd, Helmuth Beuthe, wurde 1999 vom Landgericht Erfurt wegen Beihilfe zum Totschlag und schwerer Körperverletzung im Fall Bunde/Balogh zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Im Rahmen des Projektes „Spuren an der Grenze“ wurde den beiden Opfern am 11. April 2010 eine Gedenktafel gewidmet. Diese befindet sich rund einen Kilometer westlich der Straße Spechtsbrunn-Tettau. Die Idee zu der Tafel stammt aus dem Rathaus der Gemeinde Oberlandund wurde das „Netzwerkes für Demokratie“ realisiert. Weitere Tafeln an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze sollten folgen. Erarbeitet wurden sie allesamt von Jugendlichen. Betreut wurde das Projekt von Roman Grafe, der mit seinem Buch „Die Grenze durch Deutschland“ die Vorlage für die Textbausteine der Tafeln lieferte. Bei der Einweihungsfeier in Spechtsbrunn erschien auch Sieglinde Bunde, deren bewegende Fluchtgeschichte noch ein Mal von Grafe vorgetragen wurde.
Inschriften
Inschrift der Erinnerungstafel
(am ehemaligen Kolonnenweg)
Am 22. Juni 1973 wurde an dieser Stelle der 18jährige Flüchtling László Balogh erschossen. Seine 21jährige Verlobte, Sieglinde Bunde, trat auf eine Mine. Ihr rechter Unterschenkel mußte amputiert werden. // Der Todesschütze, Volker Engelbrecht, erhielt die „Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee“ in Bronze – „für das entschlossene Handeln bei der Vernichtung und Festnahme von Grenzverletzern“. Sieglinde Bunde wurde 25 Monate lang wegen „versuchter Republikflucht“ eingesperrt. // Zehn Jahre nach dem Mauerfall verurteilte das Landgericht Erfurt 1999 den Stabschef des Grenzkommandos Süd Helmuth Beuthe wegen Beihilfe zum Totschlag und zur schweren Körperverletzung im Fall Bunde/Balogh zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. // Es hätte, so die Richter, „einer erheblichen individuellen Stärke“ des Angeklagten bedurft, sich gegen das Grenzregime aufzurichten, „zumal damit einschneidende Konsequenzen im privaten und beruflichen Bereich“ verbunden gewesen wären
Sprache: Deutsch, Schrift: Lateinisch
Ereignisse
11. April 2010 - Einweihung
Einweihung der Erinnerungstafel für Sieglinde Bunde und László Balogh
Literatur
- Grafe, Roman: Die Grenze durch Deutschland. Eine Chronik von 1945 bis 1990, Berlin 2002
Publikationen der Bundesstiftung
- Kaminsky, Anna (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, 3. Aufl., Berlin 2016
- Kategorie: Gedenkort
- Historisch: Ja
- Standort: ehemaliger Kolonnenweg zwischen Spechtsbrunn und Tettau
- Stadt: Sonneberg
- Ortsteil: Spechtsbrunn
- Gebiet: Thüringen
- Land: Deutschland
