Lodz, Polen

Denkmal für die Opfer von Katyń

 
Das Denkmal für die Opfer von Katyń in Łódź (deutsch: Lodsch), der drittgrößten Stadt Polens, wurde im September 1990 enthüllt und war zu diesem Zeitpunkt das erste derartige Denkmal im öffentlichen Raum im Zentrum einer polnischen Großstadt. Es steht vor der Kirche der Siegreichen Mutter Gottes an einer verkehrsreichen Kreuzung und wurde von der Lodscher »Katyń-Familie« initiiert und durch Spenden finanziert. Autor des Denkmals ist der Bildhauer Włodzimierz Ciesielski, dessen Vater unter den in Katyń ermordeten polnischen Offizieren war. Auch weitere Arbeiten wurden von Angehörigen der Lodscher »Katyń-Familie« selbst ausgeführt. Im Zentrum des Denkmals steht eine 3,5 Meter hohe Stele aus hellem Granit, in dessen oberem Bereich das Wappen der Polnischen Armee, der gekrönte Adler mit Pelte, in den Stein gehauen ist. Darunter sind die aus Messing gegossene Inschrift und der Orden »Virtuti Militari« angebracht. Auf dem Sockel des Denkmals, in dem drei Urnen mit Erde aus Katyń, Mednoje und Charkiw eingelassen sind, befindet sich ein »ewiges Feuer«, eine Brennschale mit Gasflamme. Der Grundstein des Denkmals wurde am 15. August 1990 gelegt, dem 70. Jahrestag der Schlacht bei Warschau im Polnisch-Sowjetischen Krieg 1920, des sogenannten »Wunders an der Weichsel«. Schon am 16. September desselben Jahres, am Vorabend des 51. Jahrestages des sowjetischen Einmarsches nach Ostpolen, fand die feierliche Enthüllung des Denkmals statt. Dieses wurde vom Lodscher Bischof Władysław Ziółek sowie von dem Priester Zdzisław Peszkowski, der die Haft im NKWD-Lager Koselsk überlebt hatte, in Anwesenheit von evangelischen, orthodoxen und muslimischen Geistlichen geweiht. Zum 55. und 60. Jahrestag des Verbrechens von Katyń wurde das Denkmal um die Namen und Dienstgrade von rund 400 Opfern ergänzt. Diese befinden sich auf steinernen Tafeln zu beiden Seiten der Stele, die Grabsteinen nachempfunden und nach den Orten der Lager bzw. Exekutionsstätten gruppiert sind. Die Namen der Opfer von »Katyń – Kozielsk«, »Charków – Starobielsk« und »Miednoje – Ostaszków« füllen jeweils mehrere Tafeln. Eine weitere Tafel aus dem Jahr 2000 ist jenen Beamten und Soldaten aus der Region Łódź gewidmet, die an bis dato unbekannten Orten in der Ukraine und Weißrussland erschossen wurden. Mit einem Beschluss des Stadtrates von Łódź wurde der Platz, auf dem das Denkmal steht, in »Platz der Opfer von Katyń« umbenannt.

Inschriften

Inschrift des Denkmals
(An der Kirche der Siegreichen Mutter Gottes)
Katyń 1940 / Pomordowanym / z Kozielska / Starobielska / Ostaszkowa / i innych obozów Pomnik ufundowany / przez rodziny / i społeczeństwo / Ziemi Łódzkiej / w 50 rocznicę zbrodni / Proj.: Rzeźb. W. Ciesielski / Arch. R. Furmanek / Odlewy »Armatura«
Deutsche Übersetzung:
Katyń 1940. Den Ermordeten aus Koselsk, Starobilsk, Ostaschkow und anderen Lagern. Dieses Denkmal wurde zum 50. Jahrestag des Verbrechens von den Angehörigen und den Einwohnern der Region Łódź gestiftet. Entwurf: Bildhauer W. Ciesielski, Architekt R. Furmanek; Metallguss: »Armatura«
Sprache: Polnisch, Schrift: Lateinisch

Ereignisse

16. September 1990 - Einweihung
Feierliche Enthüllung des Denkmals
15. August 1990 - Grundsteinlegung
Grundsteinlegung am 70. Jahrestag der Schlacht bei Warschau im Polnisch-Sowjetischen Krieg

Literatur

  • Siomkajło, Alina: Katyń w pomnikach świata. Katyn monuments around the world, Warszawa 2002

Publikationen der Bundesstiftung

  • Kaminsky, Anna (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Leipzig 2013